Österreich: Match um 17 Glücksspiel-Lizenzen
von , veröffentlicht am 18.05.2011 15:51
Im österreichischen Glücksspielmarkt werden die Karten neu gemischt. 15 Lizenzen für Casinos sowie eine für Lotterien und eine Poker-Spielbank müssen EU-weit ausgeschrieben werden – mit möglichen Folgen auch in Tirol.
Wien, Innsbruck – Noch immer ist unklar, welche Spielregeln das Finanzministerium für die Ausschreibung der 17 Glücksspiel-Lizenzen festlegen wird. Künftig darf es in Österreich 15 statt 12 Spielbanken geben. Die Konzessionen, die sich momentan alle in den Händen der Casinos Austria befinden, müssen EU-weit ausgeschrieben werden. Je sechs laufen Ende 2012 (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck und Bregenz) sowie 2015 (darunter Seefeld und Kitzbühel) aus.
"Wir werden uns für alle 17 Lizenzen bewerben", kündigt Casinos- und Lotterien-Generaldirektor Karl Stoss gegenüber der TT an. Für ihn ist denkbar, dass die Casino-Lizenzen einzeln oder bundesländerweise (dann wären alle drei Tiroler Standorte in einem Paket) ausgeschrieben werden. Wenn die Ausschreibung noch vor dem Sommer startet, sei eine Vergabe nicht vor Jahresende realistisch.
Stoss rechnet mit großer Nachfrage von Glücksspiel-Unternehmen aus Österreich selbst sowie aus dem Ausland. Bisher soll es bereits 30 bis 40 Anfragen gegeben haben, Stoss rechnet mit mindestens 10 bis 15 Konkurrenten, die mitbieten werden. Und die können aus der ganzen EU kommen, von Zypern über Osteuropa bis nach England. Mitbieten dürfen auch staatliche Monopolisten wie in Frankreich, wo die Märkte für andere Konzerne weiter abgeschottet sind.
Stoss hat, wie er betont, nichts gegen eine Ausschreibung. Die müsse aber fair und offen sein. Und der Politik müsse auch klar sein, was auf dem Spiel steht, etwa was Wertschöpfung, Arbeitsplätze und den Spielerschutz betrifft. Laut einer Studie lösen die Casinos volkswirtschaftliche Gesamteffekte von insgesamt 679,4 Mio. Euro aus. Gewinner sind laut der Studie neben dem Tourismus (1 Mio. Nächtigungen) auch die öffentlichen Kassen und der heimische Arbeitsmarkt. Durch die Casinos werde eine Gesamtbeschäftigung von 4401 Personen ausgelöst, das Gros davon bei den Casinos selbst. Außerdem werden über 180 Mio. € an Steuern und Sozialabgaben geleistet.
65.000 glücksspielsüchtige Österreicher haben laut Stoss eine Casino-Sperre, bei Onlinespielen gebe es ebenso strikte Regeln, etwa Obergrenzen beim Einsatz und den Jugendschutz. Von den Lotterien fließen jährlich über 80 Mio. Euro in die Sportförderung, dazu an die 10 Mio. Euro für Sponsoring, gerade auch in der Kultur.
Was ist, falls die Casinos Lizenzen verlieren? "Dann müssen wir am nächsten Tag Mitarbeiter beim AMS zur Kündigung anmelden", stellt Stoss klar. Ginge man rein nach den Zahlen, müsste man sich schon heute "vier bis fünf Standorte" genauer anschauen. Falls die Casinos Lizenzen verlieren, könnten Standorte auch innerhalb des Bundeslandes wechseln.
(tt.com)
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