Windige Geschäfte im Buchclub: Er behielt einen Großteil der Gelder für eine Tippgemeinschaft
München - Die Chancen auf einen Sechser im Lotto stehen eins zu 14 Millionen. Im Fall der Tippgemeinschaft, die im Medienkonzern Bertelsmann möglich war, standen die Chancen auf Gewinn noch schlechter. Von den 49,90 Euro, die Mitspieler jeden Monat an den deutschen Bertelsmann-Club überwiesen, habe der Konzern nur 18 Prozent in Lottoscheine investiert, berichtete das ZDF-Magazin Frontal21. 40000 Buchclubkunden sollen auf dieses Angebot eingegangen sein. Es war einst Teil des Geschäftsmodells, wie sich jetzt herausstellt.
Matthias Wulff, Sprecher der Bertelsmann Tochter Direct Group, widerspricht den Vorwürfen. Die eigene Tipp-Gemeinschaft habe ein Vielfaches von 18Prozent investiert. Wie viel, kann er nicht sagen - nur, dass der Anteil dem "branchenüblichen Rahmen" entsprochen habe. Dienstleister, die Lotto-Gemeinschaften gewerblich vermitteln, müssen laut Glücksspiel-Staatsvertrag mindestens zwei Drittel ihrer Einnahmen in die Lotto-Scheine stecken. Für das Bertelsmann-Angebot habe dies nicht gegolten, da es sich nicht um eine Tipp-Gemeinschaft im herkömmlichen Sinn gehandelt habe, sagt Wulff. "Die Kunden haben lediglich den Anteil an einer Gemeinschaft erworben, die beim Lotto tippt." Mit diesem Trick umschiffen viele Anbieter den Staatsvertrag.
Für Hans Witt, Heidelberger Anwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, ist die Debatte um die Zwei-Drittel-Regel zweitrangig. Wichtig sei, ob die Kunden wussten, worauf sie sich bei der Tippgemeinschaft einlassen. "Wenn mich der Bücherclub anruft und fragt, ob ich für 50 Euro beim Lotto mitspielen will, gehe ich davon aus, dass die 50 Euro in Lotto-Scheine investiert werden", so Witt. "Ich finde es moralisch unanständig, was den Leuten hier verkauft wurde." Wulff von der Direct Group erklärt, der Vertrag sei zwar am Telefon abgeschlossen worden. Danach aber hätten die Mitspieler Post mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen erhalten, in denen das Angebot erläutert worden sei. "Das ist wieder ein Beispiel dafür, dass Geschäfte am Telefon mit Vorsicht zu genießen sind", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Dieser Fall sei als Vertrauensmissbrauch zu bewerten.
Das Lotto-Geschäft hat Bertelsmann Ende 2008 eingestellt. Damals war der Konzern in Kritik geraten, weil Kunden plötzlich für die Tippgemeinschaft zahlten, obwohl sie dieser nie beigetreten waren. Ein Dienstleister hatte für die Bertelsmann-Tochter BC Bonusclub die Mitgliedschaften angeboten - und dabei illegale Daten verwendet. "Wir haben dieses Call-Center verklagt", sagt Wulff.
(sueddeutsche.de)

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