Der Erfinder des Roulette-Spiels, es wird Blaise Pascal zugeschrieben, war vermutlich nicht nur ein mathematisches Genie, er dürfte auch ein psychologisches Genie gewesen sein. Auch wenn er die Nummern auf dem Nummernkranz so ziemlich nach dem Grundsatz der gleichmäßigen Chancenverteilung verteilt hat, so ist es ihn dennoch gleichzeitig gelungen, eine Anordnung herzustellen, die in ihrem Rhythmus den verstandesgemäßen Gedankengängen der Roulette-Spieler geradezu entgegen läuft.
Den meisten Spiel-Methoden liegen Kombinationen zu Grunde, welche aus dem Tableau des Roulette-Tisches ersichtlich sind. Der Rouletteforscher Ruma, der auch für die Baden-Badener Spielbankzeitung schrieb, lehnte diese Strategien aus verschiedenen Gründen ab und favorisierte Strategien, welche auf Kesselsektoren beruhen.
Auf der Suche nach Spielmöglichkeiten sollte sich der Blick weniger auf das Tableau des Tisches konzentrieren, sondern sich doch mehr auf den Nummernfächer konzentrieren. Das Tableau dient lediglich zur Platzierung der Einsätze, die Zahlenanordnung ist arithmetisch und steht in keinerlei Zusammenhang mit der Anordnung der Nummern auf dem Nummernkranz. Die Entscheidung des Spiels über Gewinn und Verlust findet jedoch im Kessel statt, dem eigentlichen Spielfeld der Kugel.
Solche »Kesselspieler« nutzen also nicht das Tableau und kaum die abstrakten Theorien der Wahrscheinlichkeits-Mathematik für ihr Spiel, sondern den Nummernkranz des Roulettekessels mit seiner Anordnung.
Auf diese Weise wird es zwar auch nicht gelingen, eine 100%ige Überlegenheit zu konstruieren, allerdings könnte durch Neutralisation einer Anzahl von Nummern die Häufung der auftetenden Verlustcoups auf ein erträgliches Minimum reduziert werden.
Der erfahrene Rouletteforscher weiß, dass in der Praxis eine vollkommene 100%ige Sicherheit von keinem System erreicht werden kann und auch trotz der noch so großen Anstrengungen kaum zu finden sein wird. Einem ernsthaften Spieler wäre jedoch schon damit gedient, wenn es denn gelänge, eine Strategie zu erschaffen, der eine nahezu 100%ige Sicherheit bei jeder Sitzung nahe kommt, ohne übermäßigen Kapitalbedarf und ohne endlose Spielsitzungen.
Die Grundidee eines Kesselspiels ist die Aufteilung des Nummernkranzes in verschiedene Sektoren, deren geschlossene Anordnung durch die Satzweise abgedeckt werden. Je nach persönlicher Überzeugung eines einzelnen Spielers können entweder die favorisierenden oder die vernachlässigten Sektoren bespielt werden. Es können also Kesselspiele als Spannungs- oder als Tendenzspiel durchgeführt werden.
Recht beliebt ist dabei ein Spiel auf die Kesselnachbarn (Voisins) einer Kopfzahl, welches ein Pleinspiel ist und eine entsprechende Kapitaldeckung benötigt. Es gibt jedoch auch eine Methode, welche auf der Verteilung der Dutzende und Kolonnen auf dem Nummernkranz basiert und dabei die Möglichkeit anbietet, bei einem Zwei-Dutzend- bzw. Zwei-Kolonnen-Spiel bestimmte Tendenzen auszunutzen. Gegenüber einem Spiel auf Pleinnummern wird hierbei eine beträchtliche Kapitalreduzierung erzielt.
Es wird den wenigsten Spielern wird es so direkt bewusst sein, dass jeweils zwei Dutzend oder zwei Kolonnen häufig in geschlossenen Sektoren des Nummernkranzes nebeneineander liegen und damit einen idealen Ansatz für ein Kessel-Tendenzspiel bieten. Zum einfacheren Verständnis dienen sechs Grafiken, durch welche die Verteilung der Dutzende und Kolonnen auf dem Nummernkranz bildhaft dargestellt wird.
Erstes Dutzend Zweites Dutzend
Demnach liegen auf dem Nummernkranz nebeneinander:
15 19 4 21 2 8 23 10 5 24 16 1 20 14 9 22 18
Zweites Dutzend Drittes Dutzend
Demnach liegen auf dem Nummernkranz nebeneinander:
32 15 19 25 17 34 27 13 36 24 16 33 20 14 31 22 18 29
Erstes Dutzend Drittes Dutzend
Demnach liegen auf dem Nummernkranz nebeneinander:
32 6 27 36 11 30 8 29 7 28 12 35 3 26
Erste Kolonne Zweite Kolonne
Demnach liegen auf dem Nummernkranz nebeneinander:
2 25 17 34 8 23 10 5 1 20 14 31 29 7 28
Zweite Kolonne Dritte Kolonne
Demnach liegen auf dem Nummernkranz nebeneinander:
36 11 30 8 23 12 35 2 26
Erste Kolonne Dritte Kolonne
Demnach liegen auf dem Nummernkranz nebeneinander:
15 19 4 21 34 6 27 13 36 24 16 33 1 31 9 22 18 7 28 12
Es ergeben sich hieraus sogenannte Stichnummern für die Ermittlund der Einsätze:
Für einen Einsatz auf das erste und das zweite Dutzend sind dies:
4, 5, 10, 19, 20, 21, 22, 23, 24
Für das zweite und das dritte Dutzend:
12, 14, 15, 16, 17, 18
Und für das erste und dritte Dutzend gelten:
3, 6, 7, 11, 12, 28, 30, 35
Die Stichnummern für die erste und die zweite Kolonne sind:
7, 10, 14, 17, 20, 23, 25, 28
Für die zweite und dritte Kolonne gelten diese Stichnummern:
3, 8, 11, 30, 35
Und noch die Stichnummern für einen Einsatz auf die erste und die dritte Kolonne:
4, 6, 9, 13, 16, 19, 22, 27, 28, 33
Werden nun drei Stichnummern einer dieser Gruppen gezogen, so kann dies als ein Anzeichen einer möglicherweise länger anhaltenden Tendenz, dass bestimmte Sektoren des Roulette-Kessels bevorzugt werden, betrachtet werden.
Nun wird auf die über die Stichnummern angegebenen Dutzende bzw. Kolonnen gespielt. Diese Stichnummern sind so gewählt, dass auch wenigstens eine Nebennummer links oder rechts von der Stichnummer erfasst wird. Beispielsweise gehören die neben den Stichnummern für das zweite und dritte Dutzend liegenden Nummern fast ausnahmslos dem dritten Dutzend an.
Geht ein Einsatz verloren, wird erneut abgewartet, bis ein neues Satzsignal durch eine dreimalige Wiederholung der Stichnummern einer Gruppe entsteht.
Die Anwendung einer direkten Progression ist bei einer so breiten Abdeckung von zwei Dutzenden bzw. zwei Kolonnen kaum empfehlenswert, da diese zu schnell in Höhe laufen und etwas flachere Progrressionen zu wenig Rückholkraft aufweisen. Es spricht jedoch nichts gegen eine Überlagerung, nach einem Verlust von etwa 25 bis 30 Stücken kann eine leichte Erhöhung der Einsätze mit ein wenig Aussicht auf Erfolg durchaus angewendet werden.
Wer sich die Mühe macht und ein wenig mit dem beschriebenen Kesselspiel auf den Doppelten Chancen herumexperimentiert, wird über die bisweilen auftretenden langen Gewinnfolgen überrascht sein, was aber auch auf die breite Abdeckung von 24 Nummern zurückzuführen ist.

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