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Thema im Roulette Forum:
Spielsucht

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  1. #61
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    Standard Gegen Glücksspiel-Sucht: Pädagogen gehen heute in die "Daddelhallen"

    Für ein neues Regelwerk für den milliardenschweren Glücksspielmarkt hatte Schleswig-Holstein kürzlich den juristischen "Segen" aus Brüssel erhalten. Für die schwarz-gelbe Koalition ist es "das wahrscheinlich modernste Glücksspielgesetz Europas", meinte euphorisch der CDU-Abgeordnete Hans-Jörn Arp.

    Für die SPD - um Oppositionsführer Ralf Stegner - ist es "gesellschaftspolitischer Wahnsinn". Nicht nur für unser Bundesland, denn andere werden versuchen nachzuziehen, um für private Anbieter vom kommenden Jahr an Lizenzen für Sportwetten, Online-Poker und -Casinospiele beantragen zu können.

    Auch deshalb startet heute der erste bundesweite Aktionstag "Glücksspielsucht". Sieben Fachstellen zum Thema Glücksspielsucht gibt es in Schleswig-Holstein. Für den Landeskoordinator der Glücksspielsuchthilfe in Schleswig-Holstein, Diplom-Psychologe Patrick Sperber aus Kiel, ist es wichtig, dass sich Abhängige beraten lassen. "Jedes Einzelgespräch ist problemlos, anonym und kostenlos", berichtet der Diplom-Psychologe. Was für ihn faktisch neu ist, dass wir ab dem kommenden Jahr durch das Glücksspielgesetz "keine Glücksspiel-freie Zone" mehr haben werden, da das Online-Spiel legalisiert wurde. "Es war bisher verboten. Jetzt kann mit Smartphones überall online gezockt werden", beschreibt Sperber das Dilemma. Wer Glücksspiel betreibe, könne abhängig werden, fügt er hinzu: "Auch Verhalten kann süchtig machen, nicht nur Substanzen können es."

    Selbsthilfe ist ein effektives und nachhaltiges Mittel. "Denn Spieler sind andere Süchtige als Alkohol- und Drogenkranke", weiß Patrick Sperber aus seiner Erfahrung. Es gibt 14 landesweite Selbsthilfegruppen für Spielsüchtige mit drei ambulanten Dienstleistungszentren. Einen guten Erfolg weist allein die Beratung auf, wie eine Grafik im Internet unter www.gluecksspiel-sh.de zeigt. "Allein nach der Beratung fühlten sich schon knapp die Hälfte abstinent", berichtet er stolz.

    Im Kreis Schleswig-Flensburg bewaffnet sich Sozialpädagogin Angela Dronia vom Suchtzentrum in Schleswig mit Broschüren, um in Flensburg und Schleswig jeweils fünf oder sechs Spielhallen aufzusuchen. Dort will sie sich unangemeldet mit den Betreibern oder deren Angestellten unterhalten. Sie versucht, in einen Dialog zu kommen. Denn Spielhallen sind eigentlich verpflichtet Informationsmaterialien für Hilfestellen auszulegen. Was aber nicht immer geschieht, weiß Angela Dronia zu berichten: "Oftmals wandern die Broschüren direkt in den Müll."

    Aber die Sozialpädagogin ist optimistisch. Egal, ob sie sofort wieder vor die Tür gesetzt wird oder sich mit ihr offen und kontrovers über das Thema Glücksspiel unterhalten wird. "Wir müssen versuchen einen Gegenpol zu schaffen", beschreibt Dronia die Strategie. Selbsthilfegruppen, Suchtzentren und soziale Einrichtungen stehen zur Verfügung, um Abhängigen oder deren Angehörigen Hilfe und Tipps mit an die Hand zu geben. "Auch Schuldnerberatungen sind jetzt soweit sensibilisiert, den Geschädigten Möglichkeiten der Hilfe zu benennen", informiert die Sozialpädagogin.

    Dieser Aktionstag ist aus einem bundesweiten Modellprojekt entstanden, das über fünf Jahre lief. Bereits vergangenes Jahr besuchte Angela Dronia Spielhallen in Schleswig. Sie weiß, das sie keine offenen Türen einrennt. Häufig nahmen die Betreiber dieser Einrichtungen nur widerwillig Informationsmaterialien entgegen, "obwohl sie es müssen", unterstreicht sie.

    Abhängige Spieler aus dem Kreis Nordfriesland halten es zudem für keine gute Idee, direkt in die Spielhallen zu gehen, um mit Süchtigen zu sprechen, beschreibt die Diplom-Sozialtherapeutin Kirsten Karberg vom Suchtzentrum in Niebüll die einhellige Meinung der dortigen Selbsthilfegruppe. "Wir wollen Passanten in Niebüll und Leck befragen, was sie vom neuen Glücksspielgesetz halten", beschreibt Karberg die für heute geplante Aktion. Für Oktober oder November will sie dann noch eine Podiumsdiskussion zum Glücksspielgesetz initiieren.

    (shz.de)
  2. #62
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    Standard Der Traum vom schnellen Geld

    In Baden-Württemberg laufen immer mehr junge Menschen Gefahr, spielsüchtig zu werden. Bei einer Fachtagung in Villingen-Schwenningen diskutieren Jugendarbeiter über aktuelle Entwicklungen.

    Der Name Ingo Lenßen sagt auch jungen Leuten etwas. Der Fernseh-bekannte Mann mit dem Zwirbelbart aus Bodman-Ludwigshafen macht sich jetzt öffentlich zum Anwalt der Jugend. Auf großflächigen Plakaten schaut er mit entschlossenem Blick den Betrachter an. "Einspruch!" steht daneben. So verleiht er der neuen Lotto-Jugendschutzkampagne sein populäres Gesicht.

    Das Geschäft mit der Hoffnung auf schnelles Geld läuft auf Hochtouren. Inzwischen nehmen nicht nur viele Erwachsene, sondern auch immer mehr Jugendliche an Glücksspielen teil. "Wir stellen fest, dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene ein kritisches Verhältnis zu Glücksspielen haben oder sogar in die Spielsucht abrutschen", sagt Clemens Beisel, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit Baden-Württemberg. Gerade junge Menschen seien besonders suchtgefährdet, da sie die Risiken von Glücksspielen häufig unterschätzen, so das Ergebnis der Mobilen Jugendarbeiter bei einer Fachtagung in Villingen-Schwenningen.

    Bundesweit gelten rund 600 000 Menschen als spielsüchtig. Der stärkste Anstieg ist bei den 18- bis 20-jährigen Männern zu verzeichnen. Außerdem soll bereits jeder vierte Jugendliche unter 18 Jahren an Glücksspielen teilgenommen haben, obwohl es gesetzlich verboten ist.

    (suedkurier.de)
  3. #63
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    Standard BZgA veröffentlicht neue Daten zum Glücksspielverhalten in Deutschland

    Köln - Knapp jeder Zweite in der Altersgruppe der 16- bis 65-Jährigen in Deutschland (46,5 Prozent) hat in den vergangenen zwölf Monaten eines oder mehrere öffentlich angebotene Glücksspiele um Geld gespielt. Damit ist der Anteil der Glücksspielenden in Deutschland seit 2007 nur geringfügig zurückgegangen. Das zeigen erste Ergebnisse der neuen repräsentativen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Glücksspielverhalten in Deutschland.

    Insgesamt weist ein Prozent der Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren ein problematisches oder sogar pathologisches Glücksspielverhalten auf. Das sind bundesweit schätzungsweise 540.000 Betroffene - etwas weniger als in der Befragung im Jahr 2009 (schätzungsweise 590.000 Betroffene). Weiterhin kritisch entwickelt sich das Spielen an Geldspielautomaten. Seit 2007 hat sich die Zahl der 18- bis 20-Jährigen, die im letzten Jahr an Geldspielautomaten ihr Glück versucht haben, von 4 Prozent auf aktuell 13 Prozent mehr als verdreifacht. Auch in der Altersgruppe der 16- und 17-Jährigen, die nach dem Jugendschutzgesetz überhaupt keinen Zugang zu Glücksspielangeboten haben dürften, nimmt das Spielen an Geldspielgeräten zu.
    Erstmals wurde in der aktuellen BZgA-Studie nach der Teilnahme an Live-Wetten gefragt. Aufgrund der schnellen Wett- und Spielabläufe besteht beim Spiel an Geldspielautomaten und bei der Teilnahme an Live-Wetten ein erhöhtes Risiko für Glücksspielsucht. Dies zeigen auch die aktuellen Studienergebnisse. So weisen diejenigen, die an Geldspielautomaten spielen oder an Live-Wetten teilnehmen jeweils ein etwa fünffach höheres Risiko für problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten auf als Studienteilnehmer, die diese Glücksspiele nicht spielen. Für die Teilnahme an Lotto 6 aus 49 besteht kein derartiges Risiko.

    "Im Zusammenhang mit den Diskussionen über Änderungen der in Deutschland legal zulässigen Glücksspielangebote muss über die erforderlichen Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Glücksspielsucht nachgedacht werden. Denn mögliche Angebotserweiterungen könnten auch negative Auswirkungen haben", erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Eine Änderung der Angebotsstruktur beispielsweise bei den unter Suchtaspekten kritisch zu sehenden Online-Glücksspielangeboten oder Automatenspielen macht eine Anpassung und Verstärkung der Präventionsangebote erforderlich. Zum Spieler- und zum Jugendschutz sind deshalb Maßnahmen zur Prävention von Glücksspielsucht auf Bundes- und auf Landesebene systematisch zu verankern und sicherzustellen. Vorrang bei allen Überlegungen sollte auch weiterhin die Verhinderung der Entstehung von Glücksspielsucht haben."

    Die BZgA führt bereits seit 2007 in Kooperation mit dem Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) die Präventionskampagne "Spiel nicht bis zur Glücksspielsucht!" durch: Die BZgA-Internetportale http://www.spielen-mit-verantwortung.de und http://www.check-dein-spiel.de beinhalten grundlegende Informationen zum Thema Glücksspiel, einen Selbsttest zur Früherkennung von problematischem Glücksspielverhalten und ein interaktives Online-Beratungsprogramm zum Ausstieg aus der Glücksspielsucht. Das bundesweite Beratungstelefon der BZgA zum Thema Glücksspielsucht unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1 37 27 00 bietet Betroffenen, Angehörigen und Interessierten Auskunft über Hilfemöglichkeiten vor Ort oder Beratung bei Problemen, die im Zusammenhang mit Glücksspielsucht stehen.

    Für die Studie "Glücksspielverhalten in Deutschland 2011" hat die BZgA 10.002 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger im Alter von 16 bis 65 Jahren befragt. Bereits 2007 und 2009 wurden entsprechende Untersuchungen durchgeführt.

    Erste Ergebnisse der aktuellen Studie stehen unter http://www.bzga.de

    Broschüren zu den Themen Glücksspiel und Glücksspielsucht können kostenfrei unter folgender Adresse bestellt werden: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Fax: 0221-8992257, E-Mail: order@bzga.de, www.bzga.de [ http://www.bzga.de ]

    (gesundheit-adhoc.de)
  4. #64
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    Standard Reine Zockerei

    Spielhallen und Wohlfahrtsverbände streiten um Geld vom Staat

    München - Der Hinweis ist eindeutig. Wie es denn zu rechtfertigen sei, lautet die Frage, dass solche Stellen 'aus Steuermitteln ... gefördert werden'. Solche Stellen, damit sind kirchliche Einrichtungen, Wohlfahrtsverbände und Suchthilfen gemeint, die jenen Menschen helfen, die dem Glücksspiel verfallen sind. Viele dieser Verbände weigern sich, mit den Betreibern der Spielhallen zusammenzuarbeiten, weil sie derlei Vergnügungsstätten nicht auch noch unterstützen wollen. Doch wer nicht kooperiert, der hat auch keinen Anspruch auf öffentliche Mittel. So steht es, in Frageform gekleidet, in einem Schreiben der 'Deutsche Automatenwirtschaft' an die Gesundheitsministerien mehrerer Bundesländer.

    Die Deutsche Automatenwirtschaft macht Öffentlichkeitsarbeit für Spielhallen, Händler und Unternehmen, die Spielautomaten herstellen. Wichtigster Funktionär dieses Wirtschaftszweigs, der mehr als drei Milliarden Euro im Jahr erlöst, ist Paul Gauselmann, Chef des größten deutschen Glücksspielkonzerns. Gauselmann ist sauer auf jene Wohlfahrtsorganisationen, die es beharrlich ablehnen, Partner der Casinos zu werden. Die von den Spielhallen nicht als Helfer in der Not genannt werden wollen, an die sich Spieler wenden können, wenn sie von den elektronischen Unterhaltungsgeräten nicht mehr loskommen. Das sei eine unverständliche 'Verweigerungshaltung', schreibt die Deutsche Automatenwirtschaft und bittet die Gesundheitsressorts mehrerer Länder 'freundlicherweise' um Auskunft, wie dort die Förderung solcher Hilfsorganisationen gesehen werde.

    Diverse Suchthilfeeinrichtungen wiederum sind sauer auf die Spielhallen-Branche. Der Deutsche Caritasverband hat bereits im Sommer davor gewarnt, sich von der Automatenindustrie instrumentalisieren zu lassen. Es bestehe die Gefahr, dass die Glücksspielindustrie Kooperationen mit Hilfsorganisationen nur dazu nutze, die von den Bundesländern 'geplanten gesetzlichen Verschärfungen zu unterlaufen und zu verhindern'.

    Organisationen wie der Fachverband Glücksspielsucht werfen Gauselmann und dessen Kollegen vor, nur an Pseudoaktionen interessiert zu sein. Die Gefahr, die insbesondere von den Automatenspielen ausgehe, werde von Gauselmann geleugnet. Bestärkt in dieser Einschätzung fühlen sich Suchthilfeverbände durch Äußerungen der Präventionsbeauftragten der Gauselmann AG, Katrin Koch. Sie spricht von 'Medien- und Profilierungssucht' der Suchtexperten. Jeder mündige Bürger solle frei entscheiden können, was er mit seinem Geld und seiner Gesundheit mache.

    Für Wohlfahrtsverbände sind solche Äußerungen angesichts Hunderttausender spielsuchtgefährdeter Menschen in Deutschland eine Provokation. Vereinzelt kooperieren Hilfsorganisationen zwar mit der Spielhallenbranche. Eine generelle Zusammenarbeit lehnt beispielsweise der Deutsche Caritasverband aber ab. Dass die Automatenwirtschaft deshalb die staatliche Unterstützung der Wohlfahrtsverbände in Frage stellt, dürfte für noch mehr Ärger sorgen.

    (sueddeutsche.de)
  5. #65
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    Standard Glücksspielsucht ist eine Krankheit

    Abhängige werden an Further Fachklinik behandelt - Vor allem junge Männer gefährdet

    Furth im Wald - Jeder Mensch kann süchtig werden - süchtig nach Dingen, die ihm verhelfen, sich besser zu fühlen. Dabei sind es nicht nur Substanzen wie Alkohol oder Drogen, die zu einer Abhängigkeit führen, Glücksspiele bergen ebenfalls ein hohes Risiko. "Sucht, auch Glücksspielsucht, ist eine Krankheit", sagt Mathias Kellner Diplom-Psychologe an der Further Fachklinik. Seit kurzem werden in dem Therapiezentrum für Abhängigkeitserkrankungen und Psychosomatik auch Glücksspielsüchtige behandelt.

    Laut Statistik sind vor allem junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren gefährdet. Die klassische Karriere eines Spielers beginnt an Geldspielautomaten. Diese versprechen schnelles Glück bei relativ geringem Einsatz, sind fast überall verfügbar und anders als beim Casinobesuch muss man sich nicht extra in Schale werfen. "Das größte Pech, das ein Spieler haben kann, ist es, dass er zwei Euro reinwirft und 50 Euro gewinnt", meint Kellner und verweist auf das Grundprinzip der Sucht: Ich tue etwas, das verschafft mir ein angenehmes Gefühl und das verstärkt den Anreiz, es wieder zu tun.

    Vier Spieler-Gruppen

    Doch Spieler ist nicht gleich Spieler, hier werden vier Gruppen unterschieden: soziale, professionelle, problematische und pathologische Spieler. Während bei der großen Gruppe der sozialen Spieler Spaß und Unterhaltung im Vordergrund stehen und kein Anlass zur Sorge besteht, befinden sich problematische Spieler bereits in der Übergangsphase und sind gefährdet. Merkmale sind hier Schuldgefühle, erste Vernachlässigungen von Verpflichtungen und erste höhere Geldverluste. Von pathologischem, also krankhaftem Spielen spricht man, wenn der Betroffene schwerwiegende Probleme mit Glücksspiel hat und ein unkontrolliertes Spielverhalten an den Tag legt.

    Die meisten der Spielsüchtigen versuchen ihr Glück am Automaten, an zweiter Stelle steht der Besuch im Casino und auf Platz drei kommen Internet-Spiele wie "World of Warcraft", für die vor allem Jugendliche besonders anfällig sind. "Drei bis vier Prozent der Jugendlichen in Deutschland sind davon betroffen", schätzt Prof. Dr. med. Reinhart Schüppel, Chefarzt an der Fachklinik. Die Kostenträger, also die Spitzenverbände der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger, haben pathologisches Glücksspielen als Krankheitsbild anerkannt und die Rahmenbedingungen für die Behandlung definiert. Unter diesen Voraussetzungen können die Betroffenen in einer Fachklinik aufgenommen werden. Beim Thema Internetspiele sind die Kostenträger aber noch nicht eingestiegen, so dass die Further Fachklinik diese Patienten derzeit nicht behandeln kann.

    Dennoch sind Prof. Dr. Schüppel und seine Kollegen bereits eine Anlaufstelle für besorgte Eltern, die sich nicht mehr zu helfen wissen, weil ihre Kinder 20 Stunden vor dem Computer sitzen. Statt nur zu schimpfen rät er ihnen, sich für die Computeraktivitäten der Jugendlichen zu interessieren und so wieder mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dann könne man überlegen, was man gemeinsam unternehmen kann. Sinnvoll ist es laut Prof. Dr. Schüppel auch, die Zeit für Online-Rollen-Spiele und Internetnutzung zu begrenzen - zum Beispiel auf fünf Stunden pro Woche.

    Virtuelle Welten locken

    "Nicht nur über das sprechen, was schlecht ist, sondern auch über das Gute", lautet ein weiterer Tipp des Chefarztes für die Eltern. Schließlich haben Jugendliche, die viel Zeit in virtuellen Welten wie "World of Warcraft" verbringen, enorm viel Durchhaltevermögen, kennen sich bestens mit Computern aus und können sich gut in andere hineinversetzen. "Ihr Problem ist, dass sie sich dadurch vom richtigen Leben abschneiden", sagt Prof. Dr. Schüppel. Es gelte, diese Kompetenzen umzulenken auf das richtige Leben.

    Wenn all das nicht funktioniert und die Eltern überhaupt nicht mehr an ihre Kinder rankommen, sollten sie das Gespräch mit anderen Betroffenen suchen oder sich Rat bei einer Hilfsorganisation für Spielsüchtige holen. Diese gibt es aber (noch) nicht auf dem flachen Land, sondern nur in größeren Städten wie Nürnberg oder München.

    Professionelle Hilfe

    Die Rahmenbedingungen erlauben es der Further Fachklinik inzwischen, Glücksspielsüchtige aufzunehmen. "Wir haben die Zulassung dafür und auch ein spezielles Behandlungsangebot", erklärt Mathias Kellner. Im vergangenen Jahr waren es vier Patienten, die deswegen in Furth behandelt wurden, mittlerweile sind es über zehn. Betroffene haben in der Regel eine lange Leidenszeit hinter sich, bevor sie ihr exzessives Glücksspielverhalten als Problem erkennen und professionelle Hilfe suchen.

    Diese bekommen sie zum Beispiel in der Fachklinik. Neben einem psychotherapeutischen Angebot und Diagnostik gehören dazu viele weitere Themen. Da Glücksspielsüchtige häufig hohe Schulden haben, wird erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht und entschieden, ob eine Privatinsolvenz erforderlich ist. Im Laufe der Therapie wird ferner die Frage geklärt, wofür das Glücksspiel überhaupt steht - bei manchen für Langeweile, bei einigen für Stress und Konflikte in der Partnerschaft. Schließlich werden die Patienten mit Spielautomaten konfrontiert, allerdings in Begleitung eines Therapeuten. Mit ihm können sie vor Ort über ihre Gefühle sprechen und bekommen Tipps, wie sie künftig mit dieser Situation umgehen.

    In der Regel werden reine pathologische Spieler acht Wochen stationär behandelt, in Verbindung mit Alkoholabhängigkeit sind es 15 Wochen. Die stationäre Therapie ist aber nur der "Startschuss", eine Nachsorge bei einer Beratungsstelle schließt sich an, wie Prof. Dr. Schüppel erklärt. Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Glücksspielsüchtigen werden laut Statistik abstinent.

    Damit Menschen gar nicht erst in eine Abhängigkeit geraten, setzt Prof. Dr. Schüppel auf Prävention und hält zum Beispiel Vorträge an Schulen. "Wenn es etwas nicht gibt, kann es auch nicht süchtig machen", sagt der Chefarzt. Er will aber weder Spielautomaten noch Casinos verbieten, sondern dazu anregen, über das Thema zu sprechen und "es nicht unkritisch zu sehen". Gesetzliche Regelungen hält er für sinnvoll, weil "es immer Leute gibt, die in Gefahr sind und der Staat dazu da ist, die Bürger zu schützen".

    Seit 2008 wird das Glücksspiel in Deutschland durch den "Staatsvertrag zum Glücksspielwesen in Deutschland", den so genannten Glücksspielstaatsvertrag geregelt. Von diesem werden alle öffentlich veranstalteten Glücksspiele erfasst. Sämtliche Glücksspiele im Internet sind seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags verboten. Bei Geldspielautomaten wie sie in Spielhallen und Gaststätten stehen, handelt es sich juristisch gesehen nicht um Glücksspiel, sondern um "Spielgeräte mit Gewinnmöglichkeit". Sie unterliegen damit nicht den Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags, sondern der Spielverordnung.

    (idowa.de)
  6. #66
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    Standard "Ich habe mein Leben verspielt"

    Adam D. zockt seit mehr als 30 Jahren, verlor fast 400 000 Euro – hier lesen Sie seine Geschichte

    Die Stadt begründet ihren Kampf gegen die Spielhallen mit der gestiegenen Zahl der Spielsüchtigen. Doch wie ticken Menschen, die der Zockerei ihre Familie, ihren Lohn, ihr ganzes Leben opfern? Wir haben mit Adam D. (48) gesprochen, der dem Glücksspiel in der Jugend verfiel und verzweifelt versucht, den Absprung zu schaffen.

    Frankfurt - Als sein erstes Kind zur Welt kam, saß Adam D. an einem Spielautomaten und zockte. Er hatte seine Frau in die Uniklinik gebracht, die Wehen wurden immer regelmäßiger. Der werdende Vater hatte sich vorgenommen, bei der Geburt dabei zu sein. Doch dann zog sich die Sache hin, und die Spielsucht gewann die Oberhand: D. wollte, ja, musste spielen.

    In der Absicht, bald wieder zurückzukehren, stieg er in sein Auto und fuhr in eine seiner Stammkneipe, wo es Bier und zwei Automaten gab. Er warf eine Münze in einen Schlitz, und geriet in einen Rausch, der den Rest der Welt in Gleichgültigkeit versinken ließ. D. trank und spielte, neun, zehn Stunden lang. "Das Kind", sagt er, "interessierte mich nicht mehr."

    Als der Wirt die Kneipe dichtmachte, hatte D. etwa 200 Mark gewonnen. Ins Krankenhaus konnte er nicht mehr fahren, weil er zu betrunken war. Erst am nächsten Tag nahm er sein Kind – einen Sohn – zum ersten Mal auf den Arm. Seiner Frau tischte er eine Lügengeschichte auf. Welche es war, weiß er nicht mehr. Er hat im Laufe der Jahre viele erzählt.

    Keine Sicherheit

    22 Jahre liegt die Geburt seines Sohnes zurück. Adam D. ist inzwischen 48 Jahre alt, die Spielsucht ist noch immer das große Thema seines Lebens. Obwohl er in Therapie ist und seit Sommer nicht mehr gezockt hat, wiegt er sich nicht in Sicherheit: "Ich könnte niemals sagen, dass ich aufgehört habe", gibt er zu. "Ich spiele heute nicht; was morgen ist, kann ich nicht wissen."

    30 000 Euro Schulden muss D. noch abstottern, bei Banken, Freunden und Familienmitgliedern. Auch der Gerichtsvollzieher war schon in der Drei-Zimmer-Wohnung, wo D. mit seiner Frau, dem Sohn und der Tochter lebt. "Ich habe alles, was ich hatte, ins Spielen gesteckt", erzählt der 48-Jährige. Sogar die Sparschweine seiner Kinder habe er geplündert.

    Adam D. ist türkischer Abstammung, wurde jedoch in Griechenland geboren. 1975, im Alter von zwölf Jahren, kam er mit seinen Eltern ins Rhein-Main-Gebiet. Er besuchte eine Gesamtschule und jobbte hier und da. Seit 1989 ist er für ein Transportunternehmen am Flughafen tätig. D. erzählt, dass er in guten Monaten 2800 Euro netto verdiene. "Doch was bringt ein so hoher Lohn, wenn man ihn sofort wieder verspielt?"

    Frühe Leidenschaft

    D. zockt seit seiner frühen Jugend. Als er zwölf Jahre alt war, warf er zum ersten Mal eine Münze in einen Spielautomaten. Vater und Onkel hatten ihn in eine Spielhalle am Flughafen mitgenommen: "Ich durfte die Tasten drücken und war beeindruckt, als mein Vater gewann und uns zum Essen einladen konnte." Weitere Erfahrungen mit Automaten folgten. Irgendwann war D. so weit, sein Taschengeld bis auf den letzten Pfennig dem Glücksspiel zu opfern.

    Die Summe, die D. seit seinem 18. Lebensjahr in Kneipen, Automatenhallen und Kasinos verlor, schätzt er auf 300 000 bis 400 000 Euro. Die fatale Faszination der Spielerei zu beschreiben, fällt ihm schwer: Man gerate in einen Sog, freue sich selbst über den Gewinn kleiner Beträge wie verrückt und sei nicht in der Lage, die Notbremse zu ziehen. Einmal habe er 36 Stunden am Stück gespielt, sagt D. "Danach bin ich völlig platt auf einer Bank eingeschlafen."

    Der Rausch hatte jedoch seinen Preis: Die Zockerei und die Schulden machten D. krank. Er litt unter Panikattacken, Schlaflosigkeit und Herz-Rhythmus-Störungen. Gegen seine Depression nimmt er heute noch Tabletten, eine Pille am Tag. Zwei Mal sei er kurz davor gewesen, sich das Leben zu nehmen, sagt D. "Ich habe die ganze Nacht geweint und wusste einfach nicht, wie es weitergehen soll."

    Die Frau und die Kinder waren ein Grund dafür, dass sich D. am Ende für das Leben entschied. "Obwohl ich keine Verantwortung übernahm, obwohl ich aggressiv war und Lügengeschichten erzählte, hatte ich in der Familie einen Rückhalt." Die Seelenqualen, die er seinen Lieben bereitete, bedauert er rückblickend. "Meine Frau musste sogar bei Bekannten betteln, weil wir kein Geld hatten."

    Einmal, D. saß mal wieder an einem Automaten, rief ihn seine Frau an. Sie bat ihn völlig aufgelöst, nach Hause zu kommen, weil der Sohn sehr hohes Fieber habe und vielleicht ins Krankenhaus müsse. "Das hat mich überhaupt nicht gekratzt", erzählt D. "Ich habe ihr gesagt, sie soll sich an die Nachbarn oder sonst wen wenden." Als Erklärung für die Kaltherzigkeit genügt D. ein einziger Satz: "Die Sucht ist stärker als die Liebe."

    Über die Sozialberaterin seines Arbeitgebers fand D. im Sommer zur Frankfurter Caritas-Fachambulanz für Suchtkranke. Seitdem kommt er regelmäßig zu Einzel- und Gruppengesprächen ins Haus am Mainkai 40. "Ich bin abstinent, seit ich die Therapie mache, und fühle mich viel besser", sagt D. Er ist sich sicher, dass er es ohne professionelle Hilfe nicht so weit geschafft hätte.

    Neues Leben

    Nachdem D. Jahr um Jahr im Dämmerlicht von Kneipen und Glücksspiel-Betrieben verbrachte, entdeckt er die Welt jetzt völlig neu: "Ich war mit meiner Tochter ein Eis essen und mit meiner Frau im Kino", sagt er so erstaunt über sich selbst, als habe er den Mount Everest bestiegen. Schwimmen, joggen, lesen – was für andere selbstverständlich ist, machte D. in den vergangenen Monaten wie zum ersten Mal: "Weil ich früher jede freie Minute spielte und keine Zeit dafür hatte."

    Manchmal, wenn er sich vorm Fernseher langweilt, kommt es vor, dass D. plötzlich unruhig wird und wieder ans Spielen denkt. Dann arbeitet er im Garten, um sich abzulenken; dann wird ihm einmal mehr klar, dass ihn die Sucht durch sein ganzes Leben begleiten wird. D. meidet Orte, an denen Spielautomaten stehen, "wegen der verführerischen Töne und Lichter". Er ist sicher: "Wenn ich nur eine einzige Münze einwerfen würde, ginge alles wieder von vorne los."

    (fnp.de)
  7. #67
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    Standard "Neues Casino schafft automatisch Sucht"

    Vaduz - Bald könnte das erste Casino Liechtensteins Realität werden. Doch nicht nur Glamour und Gewinne sind zu erwarten: "Ein neues Casino schafft automatisch mehr Sucht", erklärt Suchtexperte Reinhard Haller.

    Primar Reinhard Haller ist Psychiater und Neurologe. Überregional bekannt ist der Vorarlberger aufgrund seines Wirkens im Bereich Suchtforschung und als Gerichtspsychiater. VB online fragte bei ihm nach, ob ein Casino in Liechtenstein den Faktor Sucht begünstigen würde. Dazu Haller: "Im Falle Casino können auch Gegenmassnahmen nichts verhindern. Genausowenig wie ein Trinker, der im Gasthaus vom Wirt auf übermässigen Alkoholkonsum angesprochen wird, kann ein Casinobesucher, der vom Personal auf seine Verluste hingewiesen wird, seine Sucht loswerden oder eine entstehende Sucht aufhalten."

    (volksblatt.li)
  8. #68
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    Standard Die Jagd auf die elektrischen Banditen beginnt

    Der Hamburger Senat will die Auflagen für Geldautomaten und Spielhallen verschärfen. So soll die Spielsucht von 10.000 Hamburgern bekämpft werden.

    Stundenlang schlagen Zocker ihre Zeit tot in den sogenannten Daddelstuben. Am liebsten vor den Geldspielautomaten, die ihnen das Geld nur so aus der Tasche zieht. Und süchtig machen nach dem besonderen Kick – mehr noch als andere Automaten.

    280 Spielhallen-Standorte gibt es in Hamburg. Die meisten stehen im Bezirk Mitte, auf St. Pauli und in Wandsbek. Vor allem spielsüchtige Menschen suchen diese Einrichtungen auf. Zwei von drei Spielern zeigten ein problematisches Spielverhalten, haben Wissenschaftler des Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) jetzt herausgefunden.

    Die Zahl der pathologischen Glücksspieler in Hamburg wird auf insgesamt 10.000 Personen geschätzt.

    Gesetzentwurf geht vielen nicht weit genug

    Um der grassierenden Sucht einen Riegel vorzuschieben, hat die SPD-Fraktion der Hamburgischen Bürgerschaft vergangene Woche einen Entwurf zum neuen Spielhallengesetz vorgelegt. An diesem Donnerstag wird er erstmals im Gesundheitsausschuss diskutiert.

    Doch die Gesetzesinitiative löst bereits erste kritische Reaktionen aus, wie eine „WELT ONLINE“-Umfrage ergab. Den Kritikern gehen die Vorschläge nicht weit genug. Ihr Ziel: Die elektrischen Banditen sollen entschärft werden und künftig mehr der Unterhaltung als dem Geldspiel dienen.

    Seit der Föderalismus-Reform 2006 können die Länder selbst über den ordnungsrechtlichen Rahmen für den Spielhallenbetrieb entscheiden. Nach Bremer und Berliner Vorbild plant nun der Hamburger Senat eine strengere Rechtspraxis.

    Schulungen für das Personal sind laut Entwurf ebenso vorgeschrieben wie der Mindestabstand von 500 Metern zwischen zwei Spielhallen – einzige Ausnahme: die Reeperbahn. „Außerdem wird die maximale Zahl der Geldspielgeräte je Spielhalle auf acht reduziert“, sagt SPD-Fraktionsvize Martin Schäfer. Priorität habe der Spielerschutz und die Vermeidung von Spielsucht.

    Sperrsysteme könnten Süchtigen helfen

    Vor allem Suchtexperten sehen angesichts der Vorschläge deutlichen Nachbesserungsbedarf. „Das Wichtigste aus Sicht der Wissenschaft: Die Spielautomaten müssen entschärft und zu Unterhaltungsautomaten zurückgebaut werden“, fordert Jens Kalke vom Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung.

    Dazu gehört neben einer längeren Spieldauer und strengeren Verlustgrenzen (z.B. höchstens 16 Euro pro Stunde) ein Verbot des bisherigen Systems, bei dem Cents und Euros in Punkte umgewandelt wird. „Ferner wäre der Aufbau eines Sperrsystems für Problemspieler, wie im Bremer Spielhallengesetz verankert, wünschenswert“, so Kalke.

    Nach Ansicht der Suchtexperten resultiert die Gefährlichkeit der Automaten aus ihrer Spielstruktur wie Spieldauer, Einsatz- und Verlustlimits. Im Rahmen der Suchtprävention geraten daher nicht allein die Spielhallenbetreiber ins Visier, sondern die Hersteller der Geräte.

    Auch Oppositionspolitikern geht der SPD-Entwurf nicht weit genug. „Ich vermisse Abstandsvorgaben in Bezug auf Schulen und Jugendeinrichtungen, zudem verpflichtende Alterskontrollen durch die Spielhallenbetreiber“, kritisiert zum Beispiel Heidrun Schmitt, GAL-Gesundheitspolitikerin. Die Grünen plädieren für eine technische Alterskontrolle an den Spielautomaten – wie er bei den Zigarettenautomaten bereits üblich ist.

    Kirsten Artus, Gesundheitsexpertin der Linken-Fraktion, möchte das Gesetz auf die Automaten in Gaststätten, Vereinsheimen und Sportstätten erweitern.

    Betreiber verweisen auf Arbeitsplätze in der Branche

    Die Vorsitzende des Hamburger Automaten Verbandes, Sabine Glawe, begrüßt zwar die geplanten Präventionsmaßnahmen, betont aber: „Wirtschaftlich und verfassungsrechtlich höchst bedenklich sind die Übergangsregelungen von zwei Jahren im Blick auf die Reduzierung von zwölf auf acht Automaten.“

    Eine Spielhalle mit lediglich acht Geldgewinnspielgeräten sei „wirtschaftlich nicht zu betreiben“. Auch die sozialen Auswirkungen müssten bedacht werden, sagt sie. In den Hamburger Spielhallen seien rund 2500 Mitarbeiter tätig, viele davon in einem Familienbetrieb.

    „Vielen Unternehmern wird die Altersvorsorge zunichte gemacht“, befürchtet sie. Zudem würden die Spieler, sollte das Landesgesetz in Kraft treten, stärker Online-Spiele nutzen. Glawe: „Man sollte nicht das legale Spiel zum Prügelknaben machen, weil das illegale nicht einzudämmen ist.“

    Sollte das Gesetz in Kraft treten, dürfte das auch Auswirkungen auf die Spielvergnügungs- bzw. Spielgerätesteuer der Stadt haben. Nach Angaben der Wirtschaftsbehörde stiegen die Einnahmen von 23,5 Millionen Euro (2009) auf 33,2 Millionen Euro im Jahr 2011. Wann die Bürgerschaft über den Gesetzesentwurf abstimmt, ist zurzeit noch unklar.

    (welt.de)
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    Standard Suchtexperten wollen Anhörung zur neuen Glücksspielverordnung boykottieren

    Berlin - Mehrere Spielsuchtexperten wollen eine für Mittwoch geplante Anhörung des Bundeswirtschaftsministeriums zur geplanten Novellierung der Glücksspielverordnung boykottieren. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Als Grund nennen sie eine zu liberale Haltung der Behörde gegenüber der Automaten-Industrie. So enthalte der nun vorgelegte Entwurf nur geringe Beschränkungen für Spielhallen. Dabei habe die Evaluierung der bisherigen Regelungen im vergangenen Jahr noch vor erheblichen Suchtgefahren gewarnt.

    Dem Entwurf zufolge darf unter anderem weiterhin um bis zu 1.000 Euro pro Spiel gezockt werden, was Suchtexperten für deutlich zu hoch halten. Zudem wird die bisherige Überprüfung der Geräte durch unabhängige Sachverständige gestrichen. Begründet wird die Zurückhaltung des Ministeriums mit dem Hinweis, dass die Spielhallen erhalten bleiben müssten. Bei einer zu strikten Reglementierung bestehe die Gefahr, dass Spieler ins Internet auswichen, heißt es in dem Entwurf. "Das Papier greift keine einzige Forderung der Suchtforschung auf", protestiert Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbands Glücksspielsucht, laut dem Magazin. Sie werde aus Protest ebenso wenig nach Berlin reisen wie Jürgen Trümper vom Arbeitskreis gegen Spielsucht: "Seit Jahren nimmt die Zahl der Spielhallen zu", sagt er, "dagegen muss die Regierung etwas unternehmen."

    (fuldainfo.de)
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    Standard FDP will Automaten-Lobby beglücken

    Zum Boykott der für diesen Mittwoch angesetzten Anhörung des Bundeswirtschaftsministeriums zur geplanten Novellierung der Spielverordnung durch mehrere Suchtexperten erklärt die Drogenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion Angelika Graf:

    Die Absage der Suchtexperten ist nur konsequent, denn der Entwurf für die Novelle der Spielverordnung aus dem Hause des FDP-geführten Bundeswirtschaftsministeriums ignoriert die Forderungen der Suchthilfe komplett. Es geht - anders als vorher angekündigt - nicht um Suchtprävention. Fast alle im Evaluierungsbericht der letzten Novelle der Spielverordnung festgestellten Defizite in der Einhaltung der Spielverordnung werden von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) konsequent ignoriert. Ansätze für eine Stärkung der Suchtprävention sind nicht ersichtlich.

    Für Geldspielautomaten und Aufsteller sind laut dem Entwurf keine wesentlichen Verschärfungen vorgesehen. Im Gegenteil: Mit dem geplanten Wegfall der bisher vorgeschriebenen Überprüfung der Geräte durch Sachverständige will die Bundesregierung sogar die Kontrolle reduzieren, obwohl die Vorgaben bisher schon nicht ausreichend eingehalten werden. Suchtfördernde Elemente wie das Punktespiel und die Autostarttasten will die Bundesregierung ausdrücklich nicht verbieten. Die bisher vor allem in der Gastronomie nicht ausreichende Einhaltung des Jugendschutzes will die Bundesregierung "verbessern" - sie schlägt allerdings keine wirksamen Maßnahmen dafür vor. Großzügige Übergangsfristen bis zum Jahr 2017 sollen dafür sorgen, dass sich auf absehbare Zeit überhaupt nichts ändert - obwohl sich ein Gerät bereits nach nur vier Jahren amortisiert.

    Ganz nebenbei ist der Entwurf ein kaum versteckter Angriff auf das staatliche Glücksspielmonopol. Der Europäische Gerichtshof hatte ein konsistentes System der Suchtprävention zur Voraussetzung für das deutsche Monopol erklärt. Ein mit der Suchtprävention begründetes staatliches Monopol für Lotto und andere Glücksspiele ist aber kaum glaubwürdig, wenn der Staat bei den Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten, von denen eine viel größere Suchtgefahr ausgeht, weitgehend auf Suchtprävention verzichtet.

    Die FDP arbeitet offenbar nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch im Bund gemeinsam mit der Union daran, den deutschen Markt für das kommerzielle Glücksspiel zu öffnen. Das Votum der Länder, das staatliche Monopol zu erhalten, will die Bundesregierung nicht nur ignorieren, sondern torpedieren. Die Länder sollten sich dieses Vorgehen nicht bieten lassen. Das staatliche Monopol ist der beste Rahmen für eine starke Suchtprävention. Eine Ausweitung des Marktes führt im Bereich des Glücksspiels stets zu einer Ausweitung der Zahl der Süchtigen.

    Die SPD-Bundestagsfraktion hat mit dem Antrag Symbol Download Glücksspielsucht bekämpfen wirksame Vorschläge für eine Weiterentwicklung der Spielverordnung und ein kohärentes und konsistentes Gesamtsystem zur Bekämpfung von Spielsucht vorgelegt. Wir wollen mehr Transparenz, mehr Prävention und mehr Jugendschutz. Geldspielautomaten sollen durch eine Entschärfung wieder stärker zu Unterhaltungsgeräten werden. Notwendig sind zudem eine Ausweispflicht, ein abgestuftes Warnsystem sowie ein Sperrsystem für den Spielerschutz, empfindlichere Strafen für die Aufsteller bei Verstößen gegen die Spielverordnung und eine stärkere Möglichkeit der Einflussnahme auf die Standorte von Spielhallen für die Kommunen.

    (spdfraktion.de)

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