Hagen. Sechs Kreuze musste man immer schon machen. Auch 1955. In dem Jahr war nämlich die Geburtsstunde für das Glücksspiel Westlotto - und Elfriede Hardt war dabei. Sie ist immer noch dabei. Seit 55 Jahren steht sie auf 16 Quadratmetern an der Frankfurter Straße 81. Hardt ist die älteste Lotto-Annahmestelle Hagens. Mehr noch: Der Name Hardt steht für eine von vielleicht zwei Lottostellen in ganz NRW, die ausschließlich Tippscheine verkaufen. Ohne Schnörkel drumherum.
Dazu wäre das Lädchen auch viel zu klein. Elfriede Hardt - 1960 heiratete sie Inhaber Heinrich Hardt, als dessen Assistentin sie '55 mit ihren 17 Jahren angefangen hatte - schafft's auch so. 1954 startete Heinrich Hardt mit einem Toto-Geschäft, ein Jahr später wurde Lotto 'geboren'. Die Hardts hatten stets ihr Auskommen ohne Zigaretten und Zeitschriften. Bei Elfriede Hardt kann man sich rein auf die Zahlen konzentrieren. "Lotto ist mein Leben." Die 72-Jährige lacht mit ihrer herzlichen Altstimme.
Das merkt man. Sie kennt ihre Kunden beim Namen und weiß, was deren Nachbarn machen. Viele Kunden kommen seit Jahrzehnten, deren Kinder und Kindeskinder. "Laufkundschaft gibt es fast keine", sagt sie. Dafür die Treuen, die zwei Mal in der Woche spielen oder nur einmal im Monat - und: "Keiner spielt über seine Verhältnisse", ist sie sich sicher. Wäre sie es nicht, würde sie scherzhaft den Zeigefinger heben. Ohnehin spielen die Leute nicht mehr so viel. "In den 70er und 80er Jahren standen die Leute bis draußen Schlange."
Sie selbst darf nicht spielen
Vor zwei Wochen hatte sie einen Kunden mit einem Sechser. 280 000 Euro gab’s. "Die Woche davor gab’s 2,2 Millionen", zuckt sie die Schultern. Es ist halt ein Glücksspiel.
Elfriede Hardt, die damals zwischen Tippscheinen und Handauszählung ihre drei Kinder groß gezogen hat, darf nicht spielen. Westlotto verbietet es. Was sie mit einem Millionengewinn anstellen würde? "Meinen Kindern was geben und den sieben Enkeln. Die können immer was gebrauchen." Für sich selbst hat sie keine großen Ansprüche. Ihr Lädchen und der Plausch mit den Kunden, das langt.
Keine Angst vor neuer Technik
"Es hält mich fit im Kopf", meint sie. Obschon die meiste Arbeit seit den 1990ern der Computer übernommen hat. Vor der neuen Technik hatte sie nie Angst, inzwischen steht die 2. Rechnergeneration vor ihr. Überhaupt hat sie sich derart eingefuchst in Lotto, dass sie Anfang der '90er Jahre zwei Mal zur besten Systemverkäuferin gekürt wurde. Eine Reise nach New York, spendiert von Westlotto, belohnte sie.
Lotto ist zwar ihr Leben, aber irgendwann sollte doch mal Schluss sein damit, im Lädchen zu stehen. Denkste. Schon mit 55 wollte sie bald aufhören, dann mit 60 - zuletzt hat sie mit 66 Jahren darüber nachgedacht, bald aufzuhören. Inzwischen hat sie’s drangegeben, darüber nachzusinnen. "Ich hoffe, dass ich noch möglichst lange hier sein kann", lacht die Glücksfee. Obwohl sie nicht tippen darf, hat sie trotzdem Glückszahlen: 2 - 8 - 10 - 19 - 31 - 38. Vielleicht lohnt sich der Tipp. . .
(derwesten.de/Anja Wetter)

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