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    Performance-Kunst - Zaubern Sie sich reich!

    Eine mysteriöse Truppe namens Geheimagentur bewegt sich virtuos entlang der Grenze zwischen Realität und Fiktion. Beim Grazer Festival Steirischer Herbst installieren die Künstler jetzt ein Casino, in dem man Zauberkunststückchen statt Geld einsetzt.

    Casino of the Tricks

    Können Sie einen Zaubertrick? Können Sie unliebsame Dinge verschwinden lassen? Oder sind Sie einfach gut im Vortäuschen, Mogeln, Überreden - all den Tricks, die man heute zum Überleben braucht? Dann auf nach Graz, denn hier ist Ihr Können bares Geld wert.

    Beim Steirischen Herbst, dem Kunst- und Kulturfestival, das seit jeher oft sehr klugen theoretischen Überbau mit oft sehr lustiger Praxis verbindet, heißt das Motto in diesem Jahr "Meister, Trickster, Bricoleure". Und dazu hat sich das Künstlerkollektiv Geheimagentur das passende Projekt ausgedacht: Im Festivalzentrum richtet die Agentur für acht Tage ihr "Casino of Tricks" ein. Spielanleitung: "Für jeden mitgebrachten Trick gibt es Spielchips, die sich in bares Geld verwandeln lassen." Dass man mit seinen Tricks früher oder später die Bank sprengt, ist hier ausnahmsweise mal gewollt.

    Manipulation und Konsumgesellschaft

    Denn natürlich hat das Ganze einen kapitalismuskritischen Hintergrund. Der Zauberer im feinen Abendanzug, getarnt als Gentleman, wurde zur gleichen Zeit erfunden, als die Industrialisierung dem Kapitalismus zu neuer, nie geahnter Macht verhalf, argumentiert die Geheimagentur. Kann das Zufall sein? Der Kapitalismus verwandelt die Dinge so schnell - Ware in Geld, Geld in nichts - wie das sonst nur ein David Copperfield kann. Manipulation gehört zu den Grundfertigkeiten der spätkapitalistischen Konsumgesellschaft. Und ganz ehrlich: Hatten Sie nicht auch schon mal das Gefühl, dass Sie im Büro mehr performen als arbeiten?

    Die Künstlergruppe, die hinter diesem Projekt steckt, heißt nicht nur Geheimagentur, sie gibt sich auch entsprechend konspirativ: Natürlich sind die Mitglieder geheim. Keine Namen, nicht einmal Herkunft, Alter, Geschlecht geben sie preis. Während sich Literatur- und Theaterwissenschaftler darum streiten, ob Shakespeare wirklich so ein Genie war, oder nicht auch bei ihm eine ganze Agentur unter diesem Namen firmierte, macht die Performancegruppe "Geheimagentur" (angeblich mit Hauptsitz in Hamburg, aber wer weiß das schon so genau) die unklare Autorenschaft zum Prinzip. Jeder kann hier also Künstler sein, und jeder kann hier die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit neu definieren.

    Klingt schlau. Möglicherweise ist die Theorie aber auch nur eine Täuschung, ein raffinierter Trick - und das "Casino of Tricks" ist in Wirklichkeit einfach ein großer Spaß.

    Casino of Tricks. Steirischer Herbst, Festivalzentrum, 2. bis 9. Oktober, täglich 16 bis 1 Uhr. Grand Opening am 2.10. um 18 Uhr: "Tricks, Geld, Schampus".

    (spiegel online, Anke Dürr)
  • Thema im Roulette Forum:
    Performance-Kunst - Zaubern Sie sich reich!: 02.10.2010 18:00 - 09.10.2010 00:00

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      Standard Das Kasino als Tauschbörse der Trickster

      Das zweite Wochenende stand ganz im Zeichen des Leitmotivs "Meister, Trickster, Bricoleure": Die Geheimagentur errichtete im Forum Stadtpark ein vergnüglich-subversives "Casino of Tricks".

      Graz - Der Steirische Herbst, immerzu auf Wanderschaft, hat heuer das Forum Stadtpark zum Festivalzentrum erkoren. Das junge Architektenteam feld72 zimmerte aus tausenden Holzpaletten nicht nur die Einrichtung, sondern auch eine weithin sichtbare, weit auskragende Freilichttribüne: "trickreich und mit einem Hang zum Größenwahn", wie es treffend im Programmheft heißt. Der Herbst steht schließlich unter dem Motto "Meister, Trickster, Bricoleure".

      Das ehemalige Café, Ende der 1950er-Jahre von Künstlern zum Forum umgebaut, ist seit diesem Wochenende aber auch ein Kasino: ein sympathisches, von der Hamburger Geheimagentur zum dritten Mal betriebenes Casino of Tricks. Den Eintritt bezahlt man natürlich - mit einem Trick: Er wird, vom Besucher dargebracht, aufgezeichnet und in das bestehende Videoarchiv integriert. Fortan steht der Trick jedem Mitspieler zur Verfügung. Das Kasino ist also ein subversiver Umschlagplatz zweckdienlicher Informationen. Die Überlebensstrategie lautet: "Wir dürfen nicht nur nach den Regeln spielen, wir müssen mit ihnen spielen."

      cof_roulette.jpg
      Die Gewinnchancen sind hoch im "Casino of Tricks",
      weil im Kessel zwei Kugeln rollen.
      Doch um die Jetons ausgehändigt zu bekommen,
      muss man einen Trick preisgeben.

      So ehrenwert die Intention ist, das Geheimwissen der großen Trickster demokratisieren zu wollen: Leider wird diese liebevoll ausgestattete Tauschbörse von keinem Banker besucht, der preisgibt, wie man die Krise in Boni verwandelt. Dementsprechend harmlos sind die Taschenspielertricks, die man sich aneignen kann.

      Das Dealen macht aber trotzdem Spaß. Denn die fünf Mitglieder der Geheimagentur, die als Croupiers, Barkeeper und Empfangsdame fungieren, haben sich ein komplexes Beziehungsgeflecht ausgedacht. Als Raster dienen fünf Kategorien von Tricks: Angebot und Nachfrage bestimmen (angeblich) den Wert der färbigen Jetons. Sie sind, weil der Besucher als Mitspieler nicht ausgenutzt werden soll, in der Tat bares Geld wert. Um seine Jetons zu vermehren, muss man allerdings weitere Tricks preisgeben, einen Spontanvortrag halten oder trickreich mit dem Bürosessel eine Rampe hinunterrollen.

      Hoch dotiert ist u. a. das dokumentierte Unsichtbarwerden. Wie man dies bewerkstelligen kann, zeigt John Knight in seinem - ebenfalls subversiven - Beitrag zur Ausstellung Utopie und Monument II im öffentlichen Raum: Er ließ die Fahnen, die für das Festival werben, verschwinden; zu sehen sind in der Herrengasse also nur die nackten Masten.

      Mit einem Trick arbeitet auch das Theater im Bahnhof, das im Citypark, einem Shoppingcenter, sein neues Stück Tod eines Bankomartkartenbesitzers zur Uraufführung brachte - während der Öffnungszeit: Das Publikum, mit Kopfhörern auf der Galerie postiert, fungiert als "versteckte Kamera". Man darf sich an den (zumeist ausbleibenden) Reaktionen der Einkäufer auf das Geschehen zu ebener Erde delektieren. Und daran, dass sich die Schauspieler über die Paare, Passanten lustig machen: Jede Frau, die ein Kleidungsstück in der Modefarbe Lila trägt, wird "Zwetschke" gerufen.

      (derstandard.at)
      Geändert von Harvey (04.10.2010 um 17:31 Uhr) Grund: Anhang eingefügt

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