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Thema im Roulette Forum:
Überfall auf Pokerturnier in Berlin

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    Standard Überfall auf Pokerturnier in Berlin

    06.03.2010, 16:18

    Überfall auf Pokerturnier in Berlin

    Berlin
    Bewaffnete Männer überfallen Luxushotel

    Mehrere Männer haben am Samstag das Luxushotel „Grand Hyatt“ am Potsdamer Platz in Berlin überfallen. Sie wollten mithilfe von Maschinenpistolen und Handgranaten einen Poker-Jackpot rauben.
    Die Männer seien in das Gebäude eingedrungen und später geflüchtet, teilte die Polizei mit. Die Maskierten hätten die Angestellten bedroht und die Herausgabe von Bargeld erzwungen, sagte ein Polizeisprecher. Anschließend seien sie geflüchtet. Nach einem Bericht der Berliner Tageszeitung „B.Z. am Sonntag“ hatte es die Gruppe offenbar auf den Millionen-Jackpot eines prominent besetzten Poker-Turniers abgesehen.

    Nach Angaben des Sprechers wurden mehrere Gäste des Turniers leicht verletzt, weil unter ihnen kurzzeitig Panik ausbrach. Zur Höhe der Beute machte die Polizei keine Angaben. Nach dem Bericht der „B.Z. am Sonntag“ sollen die Täter 800 000 Euro erbeutet haben.
    Preisgeld von einer Million Euro

    Bei dem nach Veranstalterangaben größten Pokerturnier Deutschlands waren 945 Spieler aus 48 Ländern an den Start gegangen, unter ihnen Ex-Tennis-Star Boris Becker. Er soll aber bereits ausgeschieden sein und auch nicht in dem Hotel gewohnt haben. Auf den Sieger wartete zum geplanten Turnierende am Sonntag ein Preisgeld von insgesamt einer Million Euro. Das fünftägige Event im Grand Hyatt Berlin wurde von der European Poker Tour (EPT) in Kooperation mit der Spielbank Berlin und Pokerfloor und ausgerichtet.
    Bei dem Überfall sind nach ersten Informationen des Blattes offenbar Sicherheitsleute des Turniers verletzt worden. Die Täter sollen dem Bericht zufolge mit Maschinenpistolen, Macheten und Handgranaten bewaffnet gewesen sein.
    jub/ddp+
  2. #2
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    Standard Vermummungsverbot im Casino

    Ein Jahr nach dem Überfall auf das Pokerturnier treffen sich in Berlin wieder Zocker aus aller Welt

    Berlin - Die typische Handbewegung: Die linke Hand – mit links ist es cooler – teilt einen Stapel Chips in zwei Türmchen, umfasst die beiden Stapel wie eine Klaue und lässt unter geschicktem Fingereinsatz beide Türmchen Chip für Chip ineinanderrieseln, so dass am Ende wieder ein Stapel steht. Der geübte Griff beruhigt die Nerven und zeigt dem Gegner: Hier sitzt ein Profi mit ruhiger Hand.

    Die Berliner Spielbank unweit des Potsdamer Platzes ist am Dienstagmittag erfüllt von dem leisen, raschen Klackern der Chips. Hier sitzen Profis oder Amateure, jedenfalls solche, die es sich leisten können, an der Berliner Etappe der „European Poker Tour“ teilzunehmen. Für den ganz kleinen Geldbeutel ist das fünftägige Kartenklopfen nichts. Die Startgebühr beträgt 5000 Euro.

    Vor einem Jahr verstummte das Rieseln der Chips plötzlich. Damals fand das Turnier unter prominenter Beteiligung im Hyatt-Hotel schräg gegenüber statt. Am 6. März 2010 stürmten mittags vier Maskierte mit Machete und Schreckschusspistole in das Hotel. Unter Gebrüll und Gefuchtel ließen sie sich das Startgeld aushändigen. Ein Handgemenge, ein couragierter Wachmann, ein Foto, das um die Welt ging: Der Wachmann klemmte sich einen der Gangster unter die Achsel, doch auch der Schwitzkasten konnte die Flucht der Maskenmänner mit rund 240 000 Euro nicht stoppen. Bis heute ist ein Großteil der Beute verschwunden.

    Ein Jahr später gastiert das Turnier wieder in der Hauptstadt, diesmal aber in der Spielbank am Marlene-Dietrich-Platz. Ein Casino ist eben von Natur aus besser gesichert als ein Hotel. Auch diesmal haben sich Prominente wie Boris Becker oder die Topspielerin Sandra Naujoks angekündigt.

    Die erhöhte Sicherheit soll man sehen. Die Polizei ist da, vor dem Eingang haben sich kräftige Wachmänner postiert, wer rein will, muss durch einen Metalldetektor. Rein darf ohnehin nur, wer registriert ist: Spieler, Mitarbeiter, Journalisten.

    Jenseits der beiden Etagen mit den Pokertischen herrscht striktes Vermummungsverbot: Sonnenbrillen, Mützen und Kapuzen müssen die Spieler hier absetzen.

    Einer der rund 800 Teilnehmer stellt sich als Luis vor. Ein junger Mann Ende 20. Er sei extra aus Barcelona angereist. Auch er hat eine Sonnenbrille dabei, wie so viele hier. Das gebe Sicherheit am Tisch, sagt er. Pokerspieler schotten sich gerne ab, wenn es ernst wird. Viele tragen Kappen tief ins Gesicht gezogen, dazu Sonnenbrillen mit Gläsern in Untertassengröße. Es sind keine Modeaccessoires, sondern Hilfsmittel für das perfekte Pokerface. Der Gegner soll nichts mitbekommen von zuckenden Augenbrauen oder verräterischem Stirnrunzeln. Oft bedecken Kopfhörer die Zockerohren, damit nichts jenseits des Blattes die Konzentration stört. Vielleicht auch, damit der Gegenüber beim großen Bluff die roten Ohren nicht sieht.

    Ja, von dem Überfall habe er gehört, große Sache, das habe sich herumgesprochen, sagt Luis, der Spanier. Angst habe er nicht. Nicht vor einem Überfall, schon gar nicht vor seinen Gegnern. Woher er so viel Geld für die Reise und das Startgeld hat, will er nicht sagen. Dann entschuldigt er sich höflich. Er müsse sich jetzt konzentrieren. Der Gewinner kann rund eine Million Euro mitnehmen.

    An den Tischen: fast nur Männer. Mit der Smoking-Atmosphäre, die man von Frank Sinatra und seinen Film-Spießgesellen oder von James Bond kennt, hat das hier wenig zu tun. Ein besonders leger gekleideter Spieler trägt einen roten Trainingsanzug aus Nickiplüsch, über dessen Ärmel und Beine sich eine Bordüre mit Rosenmuster zieht. Vielleicht bloß Taktik, um den Gegner zu verwirren.

    Die Taktik der Pokerräuber lässt sich im Nachhinein als dilettantisch, aber zumindest kurzzeitig effektiv beschreiben. Ein planloser Überfall traf auf ebensolche Sicherheitsvorkehrungen. Dass keine Profis am Werk waren, zeigte sich rasch. Die Räuber hatten nicht mal eigene Beutel dabei, weshalb ein Großteil des Gelds im Tresorraum des Hotels liegenblieb. Einer der Maskierten hatte sich offenbar aus modischen Gründen geweigert, gelbe Handschuhe zu tragen. Er hinterließ Fingerabdrücke.

    Das Gericht machte kurzen Prozess. Nach nur zwei Wochen Verhandlung wurden im Juli 2010 vier junge Kreuzberger und Neuköllner zu mehr als dreijährigen Haftstrafen verurteilt. Schwieriger gestaltet sich der Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher. Er dauert noch an.

    Wer das beruhigend-nervöse Klackern der Chips hinter sich lässt, den grüßt gegenüber zum Abschied Udo Lindenberg von seinem Musical-Plakat. Die Krempe im Gesicht, die Sonnenbrille auf der Nase. Als hätte er gerade seinen Einsatz gemacht.

    (maerkischeallgemeine.de)
  3. #3
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    Standard Sonnenbrillen an jedem Tisch

    Ein Jahr nach dem spektakulären Überfall auf ein Berliner Pokerturnier wird wieder gezockt – jetzt in der Spielbank am Marlene-Dietrich-Platz. Ein Ortsbesuch.

    Roman H. darf heute nicht reden. Was soll er auch sagen, der Held des Vorjahres, der als Wachmann einem Täter des Pokerturnier-Raubes einen Revolver aus der Hand schlug, einen Teil der Beute entriss und trotzdem dann noch eine Schramme davontrug? Ist ja diesmal alles anders, ist alles sicher in der Spielbank am Marlene-Dietrich-Platz, "no robbery this year", wie Thomas Kremser, der CEO von TK Poker Events und Veranstalter des Turnier launig betont. Also dann: "Shuffle Up and Deal", womit der Startschuss am Dienstagmittag abgegeben war. Und, ach ja, "the official language of this tournament is english".

    Roman H. sieht das alles von seiner Tür aus, sieht die 400 Spieler an ihren Tischen, sieht die, die fähig sind zum Pokerface, und die, die aus Schutz vor nervösem Augenflackern Sonnenbrillen tragen oder tiefe Schirmmützen. Roman H. sieht das alles mit großer Gelassenheit, und wenn man ihn da so stehen sieht, fragt man sich schon, wie beschaffen einer sein muss, um zu glauben, an diesem Trumm von Mann vorbeizukommen. Verwegen? Größenwahnsinnig? Übermütig? Verrückt?

    Im Grunde also so, wie alle die hier im Saal sitzen. Die ersten Runden werden in zwei Tagen ausgespielt, am heutigen Mittwoch setzt sich die zweite Hälfte der 800 zu erwartenden Pokerfaces an die Tische. Ein paar haben sich über kleinere Turniere die, wie sagt man, Tischreife?, erspielt, der überwiegende Teil aber hat 5300 Euro Startgeld bezahlt. Davon gehen 300 an den Veranstalter – und 5000 in den Preisgeldtopf. Theoretisch besteht also die Möglichkeit, dass ein Spieler etwas zurückbekommt, praktisch besteht aber auch die Möglichkeit, dass ein Spieler 5300 Euro bezahlt hat und am Abend nach neun Stunden Spiel ohne einen Cent wieder heim fährt. "Erfahrungsgemäß reduziert sich das Teilnehmerfeld nach dem ersten Tag um 50 Prozent", sagt Kremser. Es sitzen eine Menge junger Burschen im Saal, auch ein paar junge Frauen – es ist wahrscheinlich so, dass man selber etwas falsch gemacht hat im Leben, weil man es sich eben nicht leisten kann, mal eben 5300 Euro wegzuwerfen.

    Erstaunlicherweise scheint aber hier, wo es um viel Geld geht, Geld keine Rolle zu spielen. Das Mineralwasser, das Kellnerinnen an die Tische bringen, kostet – der halbe Liter – 5,50 Euro. Es murrt aber niemand, möglicherweise, weil die angebotene Massage kostenlos ist – und das ist jetzt nicht erfunden, es laufen tatsächlich Frauen herum, die ermattete Schultern kneten, während die dazugehörigen Herren ungerührt weiter unter Karten gucken und grimmig schauen.

    Nun sollte man vielleicht annehmen, dass nach der letztjährigen Erfahrung der ein oder andere Spieler auch ein wenig vorsichtig ist und auch schon mal zur Tür linst, aber da nicht wieder jemand mit Pistole und Machete und unsauberen Absichten an Roman H. vorbei- und hereingestürmt kommt. Aber das wäre wahrscheinlich uncool, und uncool verbindet sich nicht mit Pokerspielen. Auch zu viele Geräusche sind unpassend, die vorherrschenden Töne kommen von den Plastikjetons, die die Spieler, klickediklick, klackklack, in ihren Händen hin und herrollen. Dabei geht es nicht feindlich zu, sondern eher freundlich und unaufgeregt, Verkrachtes, wie es zu vermuten ist, wenn da eine Horde Menschen mit wahrscheinlich großem Suchtpotential Geld mit beiden Händen zum Fenster hinaus schaufelt, Verkrachtes ist nicht zu beobachten. Nicht mal nach der ersten Stunde, nach der der Haufen Chips bei so manchem schon bedrohlich klein geworden ist. Am Anfang startet jeder mit Chips im Wert von 30 000 Euro. "Aber", sagt der Veranstalter Kremser, "das ist ja nur Spielgeld." Das echte Geld, das Startgeld, liegt schon im Tresor.

    (tagesspiegel.de)
  4. #4
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    Standard Zahltag im Gerichtssaal

    Überraschend hat einer der beiden mutmaßlichen Drahtzieher im Prozess um den Überfall auf das Pokerturnier im Hyatt-Hotel gestanden – und gibt 22 000 Euro zurück.

    Das Spiel ist aus. Jedenfalls für Ibrahim El-M., genannt „Ibo“. Überraschend legte er nach einjährigem Prozess um den Pokerraub im Hyatt-Hotel ein Geständnis ab. Er, angeklagt als einer der beiden Drahtzieher, schien reinen Tisch machen zu wollen. „Von meinem Anteil an der Beute habe ich noch 22 000 Euro, die ich unverzüglich zurückzahlen werde“, kündigte er an. Die Beute. Kaum jemand glaubte noch, dass von den rund 242 000 Euro wieder etwas auftaucht.

    „Die Anklage ist im Wesentlichen richtig“, ließ der 30-Jährige einen seiner Anwälte die vier Seiten Geständnis verlesen und belastete den mitangeklagten Mohamed Abou-C. schwer.

    Der Mann, der „Momo“ genannt wird, habe ihm von dem Turnier erzählt und „von dem vielen Geld, das dort in einem Raum offen rumliegen würde“. Der 32-jährige Abou-C. dagegen hatte erst Mitte August sein Schweigen gebrochen, die Vorwürfe bestritten und El-M. als Hintermann bezichtigt. Nun der Gegenschlag von „Ibo“, der wie er seit 17 Monaten in Untersuchungshaft ist.

    „Ich habe darauf hingewiesen, dass ich auch für Momo Geld benötige, weil er der eigentliche Tippgeber war“, gab El-M. in seiner Beschreibung der Beuteteilung an. Er selbst will „knapp unter 40 000 Euro“ erhalten haben. Kurz danach will er sich in einem Lokal mit Abou-C. getroffen haben. „Hier übergab ich ihm einen Anteil von etwa 13 000 Euro, er wollte zwar mehr, aber ich habe ihm gesagt, dass die Jungs damit einverstanden waren.“ Die „Jungs“ sind die vier Jung-Räuber, die am 6. März 2010 in die Pokerrunde gestürmt waren.

    Ibrahim El-M. gab zu, dass er die Truppe organisiert hatte. Nach seiner Version war es aber Abou-C., der die Sache ins Rollen brachte: „Er fragte mich, ob ich Leute kenne, die dazu in der Lage sind.“ Zunächst hätten sie geplant, den Sicherheitsleuten die Tasche zu entreißen, wenn diese das Geld vom Hotel in die nahe gelegene Spielbank tragen würden.

    Die Anklage geht davon aus, dass Mohamed Abou-C. die Idee zu dem Coup hatte und per Handy aus dem Hotel das Signal zum Losschlagen gab. Ibrahim El-M. soll die Hitzköpfe angeheuert und das Fluchtauto gefahren haben. Abou-C. aber hat kürzlich erklärt: „Ich sitze unschuldig in Haft.“ Weil er „kein Anscheißer“ sei, habe er geschwiegen. Er hatte am Turnier teilgenommen und war früh ausgeschieden. Verärgert will er in einer Kneipe mit einem Kumpel darüber geredet haben, dass man sich das Geld leicht holen könnte. Mehr sei nicht gewesen. „Ibo“ aber habe mitgehört und Leute angeheuert, „um die Sache durchzuziehen“.

    Das Geständnis und obendrauf die 22 000 Euro. Das würde die Strafe mildern. Es gab vor der Erklärung bereits Gespräche zwischen den Juristen. Die untere Grenze liege demnach bei sechs Jahren und vier Monaten Haft für El-M., hieß es. Doch es wird noch viel Streit geben. Fragen wollte El-M. zum Ärger der Anwälte von Abou-C. nicht beantworten. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

    (tagesspiegel.de)

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