Eine neue Generation von Geldspielautomaten verleitet deutlich mehr junge Männer zum Glücksspiel. Die Zahl der Spieler hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Auch bei den Lottospielern gab es einen deutlichen Anstieg, für den Experten jedoch eine plausible Erklärung haben.
Köln - Die Wirtschaftskrise hält die Deutschen nicht davon ab, um ihr Geld zu spielen. Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wagten in den vergangenen Monaten mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Bundesbürger im Alter zwischen 16 und 65 einen Einsatz und hofften damit auf einen schnellen Gewinn. Damit war die Spiellust fast genauso hoch wie bei der vorangegangenen Umfrage 2007 (55 Prozent). Insgesamt wurden 10.000 Bundesbürger befragt.
Eine besonders dramatische Entwicklung zeigte sich bei den jungen Männern, die an Automaten spielen. Unter den 18- bis 20-Jährigen hat sich ihr Anteil von 6 auf 15 Prozent mehr als verdoppelt (Zahlen von 2007 und 2009).
"Insbesondere junge Männer sind gefährdet, glücksspielsüchtig zu werden", sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott. "Häufig unterschätzen sie die Gefahren dieser Spiele und glauben, das Glücksspiel kontrollieren oder Glückssträhnen erkennen zu können."
Eine Sprecherin erläuterte: "Gerade in den letzten zwei Jahren haben sich die Automaten unheimlich verändert. Die neue Automatengeneration ist viel digitalisierter. Und das übt wohl einen ungeheuren Reiz auf die jungen Männer aus." Außerdem könnten auch einfach noch mehr Automaten aufgestellt worden sein.
"6 aus 49" am beliebtesten
Schätzungsweise jeder 100. Bundesbürger spielt so viel, dass sein Verhalten von Experten als problematisch oder sogar krankhaft eingestuft wird. Dies entspricht etwa 600.000 Menschen. Als süchtig gilt man, wenn das Glücksspiel den Alltag völlig im Griff hat. Der Süchtige nimmt fast jede Gelegenheit wahr, um zu spielen, und vernachlässigt Familie, Beruf und soziale Kontakte.
Der Gesamtumsatz des deutschen Glücksspielmarkts wird auf rund 28 Milliarden Euro geschätzt. Am Beliebtesten sind den Umfragen zufolge bei den Bundesbürgern das klassische Lotto "6 aus 49", sowie die damit verbundenen Lotterien "Spiel 77" und "Super 6".
Rund 40 Prozent der Befragten versuchten im vergangenen Jahr ihr Glück beim Lotto "6 aus 49". Das waren 4,5 Prozent mehr als 2007. Der Anstieg sei wahrscheinlich in erster Linie auf zwei hohe Lotto-Jackpots zurückzuführen, berichteten die Experten. Denn vor allem die Zahl der Gelegenheitsspieler habe dabei zugenommen. Gleichzeitig sank die Höhe der Wetteinsätze.
Poker und Roulette reizen nur eine Minderheit
Beliebt sind bei den Bundesbürgern auch Rubbellose, Fernsehlotterien und Quizsendungen im TV. Poker, Blackjack oder Roulette reizen dagegen nur einen kleinen Teil der Bundesbürger. Poker gespielt haben in den vergangenen zwölf Monaten der Umfrage zufolge nur knapp vier Prozent der Befragten. An die Roulette- oder Blackjack-Tische in der klassischen Spielbank zog es sogar nur 1,9 Prozent der Befragten.
"Das Glücksspielverhalten in Deutschland bietet weiterhin Anlass zur Sorge", sagte Pott, die Direktorin der Bundeszentrale. Die Behörde sieht die Ergebnisse ihrer Umfrage trotz der bedenklichen Zunahme bei jungen Automatenspielern positiv. Das Bewusstsein für die Gefahren des Glücksspiels sei gewachsen. 61 Prozent der Befragten fühlten sich heute gut über die Gefahren des Glücksspiels informiert. Im Jahr 2007 sei es nur etwa jeder Zweite gewesen.
Auf der Webseite spielen-mit-verantwortung.de bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Informationen und Beratungsangebote zum Thema Spielsucht. Betroffene können zudem die kostenlose Rufnummer 0800/ 1 37 27 00 nutzen.
(hda/dpa/apn)

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