Obwohl Pokerturniere kaum Geld einbringen, wehren sich die Casinos gegen Spiele ausserhalb der Spielbanken. Der Nationalrat könnte nächste Woche Ausnahmen beschliessen.
Knapp zwei Jahre ist es her, dass sich der Casinoverband das alleinige Recht erstritten hat, Pokerturniere um Geld durchzuführen. Seit dem Bundesgerichtsurteil im Mai 2010 müssen Pokerspieler für ihrer Leidenschaft in den Casinos nachgehen. Doch der Ansturm auf diese Angebot ist ausgeblieben. "Wir hätten einen höheren Zulauf erwartet", sagt Martin Vogel von Swiss Casinos ernüchtert. Die Firma betreibt die Spielbanken in St. Gallen, Pfäffikon, Schaffhausen und künftig auch Zürich. Ähnlich äussert sich Christian Aumüller, Direktor des Grand Casinos Bern, wo jeweils nicht alle Turnierplätze besetzt sind: "Nach dem Bundesgerichtsurteil hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nicht so gross ist."
Im B-Casino Schaffhausen fand diesen Montag letztmals ein Pokerturnier mit 150 Franken Einsatz statt. Man habe das Angebot angepasst, sagt Direktorin Jlona Vlach. Mit ein Grund war die Ertragslage. Dass Turniere mit rund 150 Franken nicht lukrativ sind, bestätigen mehrere Casinobetreiber. "Unsere Kommissionen decken knapp die Kosten", sagt Vogel von Swiss Casinos. Von keinem grossen Ertrag sprechen die Casinos in Luzern und Baden. Denn der Aufwand für die Casinos ist gross.
Im Airport Casino Basel fliessen von den 110 Franken Teilnahmegebühr der 50 Teilnehmer 100 Franken in den Topf, aus dem die Gewinne bezahlt werden. Für das Casino bleiben 10 Franken, wie Geschäftsführer Michael Favrod sagt. "Wenn wir eine Vollkostenrechnung machen, legen wir drauf." Auch der Konsum von Getränken hält sich laut Favrod in Grenzen: "Die Spieler trinken praktisch keinen Alkohol, weil sie einen klaren Kopf behalten wollen."
Luzern hat Angebot ausgebaut
Dass die Casinos auf Pokerturniere setzen, hat mehrere Gründe. "Ein solches Angebot gehört für den Marktführer dazu", sagt Detlef Brose, Geschäftsführer des Casinos Baden. Laut eigenen Angaben führt die Spielbank jährlich über 500 Turniere durch sowie die Schweizermeisterschaft. Laut Brose bringen die Poker-Anlässe Besucher ins Casino, sie haben eine positive Wirkung auf das Image und bringen eine gute Medienresonanz. Ebenfalls stark auf Poker setzt Luzern, wo das Casino vor einigen Monaten das Angebot ausgebaut hat, wie CEO Wolfgang Bliem sagt. Neu stehen den Spielern vier Tische in einem eigenen Bereich zur Verfügung.
Trotz magerem Ertrag engagiert sich der Casinoverband politisch stark für das Monopol auf Pokerturniere. Drittanbieter sollen keine Pokerspiele mit geringen Einsätzen anbieten dürfen, wie dies möglicherweise nächste Woche der Nationalrat beschliesst (siehe Box). "Ein gleiches Spielangebot muss mit der gleichen Aufsichtspflicht verbunden sein", sagt Brose vom Casino Baden. Und die Anforderungen an die Spielbanken umfasst einige Punkte: die Spielbankenabgabe, Sicherheit, ein Sozialkonzept, Eingangskontrollen, Videoüberwachung, die Verhinderung von Geldwäsche. Laut Brose waren diese Vorschriften ausserhalb der Casinos nur unzureichend erfüllt.
"Im Casino kann ein Spieler sicher sein, dass er nicht über den Tisch gezogen wird", sagt Aumüller vom Casino Bern. Dass die strengen Auflagen erfüllt sind, überwacht die Eidgenössische Spielbankenkommission. Diese ist von den Casinos finanziert. Aumüller fragt sich deshalb, wer die Kontrolle der Poker-Angebote von Dritten bezahlen würde. "Haben diese Anbieter dieselben Auflagen wie wir, würden sie die Finger von Pokerturnieren lassen, weil sie nicht rentieren."
Gute Chancen für Änderung
Der Nationalrat stimmt am 28. Februar darüber ab, ob "ausserhalb der konzessionierten Spielbanken Pokerspiele mit kleinem Einsatz und Gewinn" erlaubt werden sollen. Laut Motion soll eine klare Gesetzesgrundlage geschafft werden, um einen öffentlichen und transparenten Spielablauf zu ermöglichen. Der Vorstoss hat gute Chancen, in der Grossen Kammer eine Mehrheit zu finden. Denn die Forderung stammt von der Rechtskommission, deren Mitglieder aus allen Parteien sich geschlossen dahinter gestellt hatten. Bereits früher hatte das Plenum des Nationalrats ähnliche Forderungen von SVP-Nationalrat Lukas Reimann unterstützt, die jedoch im Ständerat scheiterten.
Der Bundesrat lehnt den Vorstoss ab, wie er in seiner Antwort vom 22. Februar schreibt. Er will zuerst die Ergebnisse einer Studienkommission abwarten, die sich bereits mit einer neuen Gesetzgebung nach der Volksabstimmung vom 11. März beschäftigt. Dabei prüft die Kommission auch Ausnahmen für Pokerturniere mit geringen Einsätzen.
(20min.ch)