Jeder Roulette-Neuling ebenso wie der Newcomer zum BlackJack wird zu Beginn seiner Laufbahn über Progressionen nachdenken. Progressionen gibt es wie Sand am Meer, spätestens mit der Erfindung des Roulette tauchten schon die ersten davon auf. Von Harakiri-Satzsteigerungen wie der Martingale (Verdoppelung des Einsatzes auf den Einfachen Chancen) über die streckenweise nicht weniger gefährliche amerikanische Abstreich-Progression (hierbei tilgen zwei Gewinnsätze drei Verlustsätze), die bei längeren Verlustphasen durch das auftretende Zusammenschieben der hohen Einsätze ebenso Kapital verschlingt bis hin zu den sanften Progressionen wie der d'Alambert (hierbei entsteht ein halbes Stück Gewinn pro gesetztem Coup, wenn man auf den Ausgangspunkt zurückkommt) bei der ebenfalls ein Stück nach dem anderen versickert. Vor allem Zeroverluste bei hohen Sätzen machen sich unangenehm bemerkbar, am Ende scheint man nicht zu wissen, wo und wie man seine kostbaren Stücke verloren hat.
Jede Progression im Verlust führt entweder schnell, wie bei der Martingale und der Abstreichprogression, oder mehr oder weniger verzögert, wie bei den sanften Steigerungen wie der d'Alambert und der Hollandaise, zum Totalverlust des gesamten Spielkapitals.
Ist jedoch ein Marsch vorhanden, der eine Überlegenheit über Zero aufweist oder der vom üblichen abweichende Häufungen von Gewinn und Verlust hat, sieht die Angelegenheit schon anders aus. Aber ein derartiger Marsch wird eine Rarität sein, sofern es ihn überhaupt gibt.
Progressionen funktionieren teilweise erstaunlich lange, vielleicht sogar ein ganzes Leben lang. Dann aber ist der Spieler nur selten im Casino anzutreffen, so dass er die vernichtende Phase aufgrund seines seltenen Spiels nicht erlebt. Eine unumstößliche Gesetzmäßigkeit ist es, dass die Abweichungen einer Spielmethode mit der Dauer ihrer Anwendung zunehmen. Es kann also durchaus sinnvoll sein, ein Progressionsspiel mehrere Wochen durchzuführen und es dann ad acta zu legen, vielleicht weil etwas besseres, z.B. ein Gleichsatzspiel gefunden wurde.
Eben wie diesem Spieler der von der Qualität seiner Spielmethode felsenfest überzeugt ist, geht es einem Gelegenheitsspieler, der vielleicht nur ein- oder zweimal im Monat ins Casino geht. Auch dieser wird kaum den großen Ecart erleben, weil er seine Methode rechtzeitig zur Seite legt, einfach weil von der Zeit her „seine Stunde“ noch nicht gekommen ist.
Das nun Gesagte schließt natürlich nicht aus, dass auch am ersten Spieltag einer neuen Methode schon der Niedergang stattfinden kann. Man kann es mit dem Lotto vergleichen. Viele Menschen gewinnen nicht, weil sie nach der statistischen Erwartung noch nicht an der Reihe sind, aber es gibt auch solche, die schon zweimal 6 Richtige getippt haben. Durch die Vernachlässigung des Zeitfaktors kommt es immer wieder zu Trugschlüssen und Fehleinschätzungen seitens der Spieler in der Hinsicht, dass sie einer Spielmethode positive Eigenschaften beimessen, welche auf reinem Zufall beruhen.
Unter den Fachleuten gibt es wohl kaum jemanden, der eine wie auch immer gestaltete Verlustprogression als Favoriten hat, eben weil sie, aus den beschriebenen Gründen, der Name deutet es auch schon an, stets zum Verlust führt.

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