Zum Einstieg eine kleine Anekdote aus der Casino-Zeitung Zoppot Nr. 5 aus dem Jahre 1935. Am 2. März selbigen Jahres erschien ein Artikel mit der Überschrift „Und die Kugel rollte, rollte, rollte”. Es wird von einem Intermezzo in der Spielbank Zoppot berichtet. Der Autor schrieb:
Da, plötzlich, werden meine Blicke nach dem Spielsaaleingang gezogen. Ein älterer Herr, er mag 60 Lenze hinter sich haben; ein Mann, der nichts Auffallendes an sich hatte, auf dessen Gesicht sich mehr das Ländliche als das Großstädtische spiegelte, betrat den Saal in Begleitung einer jungen Dame, die besonders durch ihre Eleganz auffiel.
Beide ließen sich ebenfalls in meiner Nähe nieder. So saßen sie, wie ich, noch etwa eine Stunde. Sie sprachen wenig. Ich bemerkte nur, daß sie zum Spielen gewissen Vorbereitungen trafen, was an sich nichts seltenes ist, denn jeder Spieler hat seine eigene Buchführung. Dann kam ein Page und bat sie an Tisch 3, an welchem sie von einer bestimmten Zeit an zwei Plätze bestellt hatten. Er, wie sie, legten vor sich einen zurechtlinierten Block, auf welchem nun jede Nummer notiert wurde. Da ich vermutete, daß hier etwas Interessantes am Werden war, bahnte ich mit sofort einen Weg, um dicht hinter diese beiden zu kommen, um so besser sehen und beobachten zu können. Ich merkte bald, daß er die Nummern auf eine andere Weise verbuchte, als sie dieselben registrierte. Gesprochen haben die während des Spiels nie. Sie waren also beide in ihrer „doppelten” Buchführung perfekt.
War ich auf die beiden Spieler schon bei ihrem Kommen aufmerksam geworden, so wurden erst jetzt die anderen Mitspieler stutzig, als der Herr nach der 8. Nummer, die sie soeben beide verbucht hatten, in seine Rocktasche griff und eine große Menge höherer Chipswerte vor sich aufbaute. Die 9. Nummer wurde verbucht.
Beide rechneten einige Sekunden, schienen dann ein Endresultat zu haben; verglichen dasselbe. Dann zog der Herr noch aus seiner Rocktasche ein kleines Buch hervor, blätterte kurz darin herum und setzte noch schnell, aber mit Ruhe die Maximumsätze auf folgende 4 Nummern: 3 12 21 30. Alles sah auf und erwartete mit Spannung das Endresultat. Immer leiser wurde das Surren der Kugel und immer anhaltender der Atem aller am Tisch Sitzenden und um ihn Herumstehenden. Jetzt fiel sie in ein Fach. Spannung! In die 12!
‚Wieder einer, der die Bank sprengen will’, murmelte einer seinem hinter ihm stehenden Freunde zu. Die beiden ließen sich durch nichts stören, schienen weder andere zu sehen, noch etwas von ihnen zu hören. Einschließlich dieses Gewinncoups buchten sie beide erneut wiederum 9 Schläge und so ging es fort, bis sie 9 × 9 Schläge gespielt hatten. Dann nahmen sie ihren Gewinn und verließen das Casino. So ging es neun Tage lang, dann waren sie nicht mehr zu sehen. Sonderbare Spieler dachte ich. Es waren tatsächlich Spieler, denn ich redete mir ein: Ein Spieler verliert nie und wer verliert, ist eben kein Spieler. Eins war mir sofort klar, sie spielten systematisch, und mit ihrem System - ein solches war es bestimmt - lagen kosmische und kabbalistische Gesetze zugrunde. Sehr eigenartig mutete das kleine Büchlein an, in welchem dieser Herr nach jedem 9. Schlag flüchtig hineinsah und dann schnell wieder zuklappte. Ich merkte nur, daß in diesem Buch sogenannte magische Quadrate und Zahlenreihen enthalten waren. Sicher war, dieses Buch enthielt den Hauptschlüssel. Nach meinen Feststellungen und Beobachtungen waren 36 solcher magischer Sechserquadrate und die gleiche Anzahl gewisser Zahlenreihen eingetragen. Es gibt doch sonderbare Menschen, sonderbar von der Perspektive unserer materialistischen Weltanschauung aus gesehen. Und doch schien ihr System sehr einfach und ganz selbstverständlich zu sein, daß sie einfach gewinnen mußten.
Soweit die Worte des Verfassers im Original. Wir wollen nun versuchen, etwas Licht in diese Angelegenheit bringen.

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