Alleingang Schleswig-Holsteins beim Glücksspiel könnte Folgen haben. Lotto-Verbund prüft Ausschluss der Spieler im Norden. Kieler Koalition spricht von „leerer Drohung“.
München/Kiel – Der Lotto-Streit zwischen Schleswig-Holstein und den 15 anderen Bundesländern hat möglicherweise Folgen für die Lottospieler im Norden. Weil das Land den neuen Glücksspielstaatsvertrag nicht unterzeichnet und seinen Glücksspielmarkt zum 1. Januar für Privatanbieter öffnet, treibt der Deutsche Lotto- und Totoblock den Ausschluss des Kieler Nordwest-Lotto voran. Schleswig-Holsteiner dürften dann am deutschlandweiten 6-aus-49-Lotto mit seinen Millionen-Jackpots nicht mehr teilnehmen, müssten ein eigenes Lotto mit womöglich deutlich geringeren Gewinnquoten veranstalten.
„Dann ist nur noch ein Jackpot von höchstens 500 000 Euro drin, in der untersten Gewinnklasse vier oder fünf statt elf oder zwölf Euro Gewinn“, rechnet Michael Barth vor, Chef von Lotto Bremen und Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Lottoblocks. Auch die Teilnahme an der Glücksspirale, an Keno oder am Spiel 77 sei hier dann nicht mehr möglich, nur noch der Kauf von Rubbellosen. Das Lottospielen im Norden würde sehr unattraktiv werden. Barth hat die Kieler Kollegen jetzt in einem Brief darüber informiert, dass man „die rechtlichen Voraussetzungen für einen Ausschluss“ prüfe. Bis Ende Dezember erwarte man eine Stellungnahme. Es gebe, so Barth, „einige Mitglieder“ des Lottoblocks, die sich bereits für einen Ausschluss aussprechen würden. Der Block sei schließlich laut Vertrag dem Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet und dem darin festgelegten Ziel, das Glücksspiel insgesamt einzudämmen. Diesen Weg verlasse Kiel gerade.
Dort, bei CDU und FDP im Landtag, hält man das Ganze allerdings für eine „leere Drohung“. Es gebe im Block-Vertrag gar keine Rechtsgrundlage für einen Ausschluss von Nordwest-Lotto, betont FDP- Fraktionschef Wolfgang Kubicki – und im Zweifel könnte sowieso auch Nordwest-Lotto alleine hohe Jackpots durch eine entsprechende Rückversicherung bei Lloyds in London garantieren. In der Tat ist ein Ausschluss-Passus in dem den LN vorliegenden Block-Vertrag nicht vorgesehen. Man müsse das dann übers Gesellschaftsrecht regeln, erklärt Lottoblock-Chef Erwin Horack auf Nachfrage. „Es gibt weder hundert Prozent Sicherheit, dass es geht, noch dass es nicht geht“, gesteht Michael Barth zu. Möglicherweise gebe es am Donnerstag auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin ja aber auch noch eine Einigung aller 16 Länder auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag. Das hält man in Kiel im Moment allerdings für ziemlich unwahrscheinlich.
(ln-online.de)

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