Casinos-Austria-Chef fordert "SOKO Glücksspiel"
von , veröffentlicht am 09.11.2009 16:19
Casinos-Boss will Vorstoß gegen illegale Automaten - Bald Entscheidung über Partnersuche
Wien - Die Casinos Austria Gruppe will Anfang Dezember über weitere Schritte bei der Suche nach einem Partner für das internationale Geschäft entscheiden. Sollte bei einer Aufsichtsratssitzung am 2. Dezember grünes Licht gegeben werden, könnten die Abgabe eines Minderheitsanteils an der Casino Austria International (CAI) bis zum Frühjahr über die Bühne sein, sagte Casinos-Generaldirektor Karl Stoss am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. In Österreich wird der Umsatz der 12 Casinos krisenbedingt um rund vier Prozent sinken.
Laut früheren Informationen erwarten sich die Casinos aus dem Verkauf von maximal 49 Prozent an der CAI bzw. über eine Kapitalerhöhung 500 bis 600 Mio. Euro Erlös. Mit dem Geld sollen in erster Linie "Projekte in Zukunftsmärkten" wie Nord- und Südamerika, aber auch in Südostasien finanziert werden. Die CAI setze dabei eher auf mittelgroße Projekte mit Investitionssummen von 30 bis 70 Mio. Euro, je nachdem ob auch ein Hotel vorgesehen ist - das dann verpachtet wird - oder nicht.
Umsatz sinkt
Derzeit betreibt die International-Tochter 51 Casinos in 17 Ländern sowie auf 10 Kreuzfahrtschiffen und setzt damit rund 1 Mrd. Euro (2008) um. Zuletzt ist die CAI aus dem Glücksspielmarkt in Südafrika ausgestiegen, drei Finanzbeteiligungen in der Schweiz wurden verkauft.
In Österreich wird 2009 der Umsatz der 12 Casinos (2008: 281 Mio. Euro) voraussichtlich "um rund 4 Prozent" sinken, sagte Stoss, bei fast gleichbleibenden Besucherzahlen. Krisenbedingt hätten auch die Casinogäste ihr Ausgabeverhalten geändert, außerdem bleiben nun sogenannte "high roller", professionelle Spieler mit wirklich hohen Einsätzen, aus. Gaben Casinobesucher im Vorjahr pro Besuch 120 Euro aus, waren es heuer 117 Euro, also etwa 2 Prozent weniger.
Gut entwickelt hat sich laut Stoss hingegen das Geschäft der Österreichischen Lotterien. Der Umsatz - inklusive Online-Töchter 2,38 Mrd. Euro 2008 - wird um rund 9 Prozent steigen, vor allem wegen der vielen Mehrfachjackpots, die die Spiellust angeheizt haben.
Jeder zweite Automat illegal
Um gegen den Wildwuchs beim so genannten "kleinen Glücksspiel" vorzugehen, wünscht sich Stoss strengere Kontrollen in der heimischen Glücksspielszene. "Ich plädiere für eine 'Soko Glücksspiel'", sagte der Casinos-Boss. "Dringend" ist aus seiner Sicht mittlerweile die seit langem in Arbeit befindliche Novelle für ein neues Glücksspielgesetz.
In Österreich seien schätzungsweise 18.000 bis 20.000 Spielautomaten in Betrieb, von denen nur rund 8.000 wirklich legal sind. Sie stehen in jenen vier Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten), in denen das kleine Glücksspiel erlaubt ist. Die übrigen Geräte sind in den restlichen Ländern entweder als (erlaubte) "Geschicklichkeitsspiele" getarnt oder über Konzessionen von anderen Bundesländern aufgestellt. Schätzungen zufolge stehen allein in Oberösterreich etwa 4.000 Automaten und 1.500 in Tirol. Genau dort stelle sich das Problem des Spielerschutzes, des Jugendschutzes und der Beschaffungskriminalität, so Stoss. Die Betreiber werden bei Umgehungen zudem immer erfinderischer, weswegen auch eine spezielle Eingreifgruppe für die Kontrollen notwendig sei.
Er plädiert dafür, alle Glücksspiel-Automaten an einen Bundesrechner anzuschließen. Nur so könnte das Finanzministerium jederzeit nachvollziehen, was gespielt wird und wie hoch die Umsätze sind und diese auch entsprechend besteuern.
Länder fürchten um Einnahmen
Seit ein erster Entwurf für ein neues Glücksspielgesetz im Herbst 2007 in Begutachtung gegangen ist, sei "de faco nichts passiert", so Stoss. Widerstand gegen die ursprünglich geplante Einführung einer Konzession des Bundes für Automatenhallen kommt von den Bundesländern, die um ihre Kompetenzen und Einnahmen fürchten, sowie der Wirtschaftskammer, die wiederum im Sinne von kleinen Lokalbesitzern argumentiert, die mit Automaten zusätzlich Umsätze machen. "Gastwirtschaften, die nur so überleben können, haben eigentlich keine Existenzberechtigung", kontert Stoss.
Zeitdruck für eine Novelle kommt allerdings vor allem von den 2012 bzw. 2015 auslaufenden Casino- und Lotterien-Konzessionen. Das geltende Glücksspiel-Gesetz ist EU-widrig, weil es eine Vergabe nur an österreichische Unternehmen erlaubt. Dieser Passus muss vor einer Neuausschreibung jedenfalls verändert werden. Über das genaue Prozedere für die europaweite Ausschreibung der 12 Casino-Lizenzen werde erst später entschieden, so Stoss.
In der Branche wird mittlerweile befürchtet, dass bei einer Novelle letztlich nur die Ausschreibungsregeln für Casinos korrigiert wird und der Rest quasi unverändert bleiben würde. Aus Sicht von Stoss wäre das ein "fauler Kompromiss", den sich die Österreicher nicht verdient hätten.
Bessere Regeln im Online-Gaming
Einen stärkeren ordnungspolitischen Rahmen wünscht sich der Casinos- und Lotterien-Boss auch im Online-Gaming. Bei den meisten Anbietern im Internet gebe es - im Gegensatz zu den Online-Plattformen der Lotterien wie win2day - kaum Beschränkungen, oft aber auch keine Gewinne, kritisiert Stoss. Unter den 1.350 in der EU tätigen Plattformen habe es 427 "schwarze Schafe" gegeben, die nie Gewinne auszahlten. Problematisch ist seiner Ansicht nach auch die steigende Zahl der Internet-Casinos.
(APA)
Weitere Artikel in dieser Rubrik:
- Geplantes Spiellokal in Salzburg stößt auf... 12.05.2012, 13:42
- Staatliches Glücksspiel in Italien: 23... 30.04.2012, 14:25
- Darbellay geht unter die Zocker 27.04.2012, 16:39
- Statt zur Schule ins Casino 26.04.2012, 17:22
- Spielte Salzburger Polizei-Jurist ein... 15.04.2012, 13:49
- Bewaffneter Täter überfällt Casino am Ring 12.04.2012, 17:22
- Abgezockt 05.04.2012, 16:35
- Sachsen will private Sportwetten erlauben 02.04.2012, 17:34
- USA im Lottofieber: Halbe Milliarde im... 30.03.2012, 15:16
- Sechs Richtige oder Niete 23.03.2012, 14:58