Trotz strenger Jugendschutzbestimmungen, die Glücksspiel unter 18 Jahren verbieten, hat eine große Anzahl von Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren nach eigenen Angaben bereits Erfahrung mit dem Glücksspiel - und spielt bevorzugt in Gaststätten und in Spielhallen, obwohl dies nicht zulässig ist. An dritter Stelle bevorzugter Spielorte steht das Internet, wo jegliche Zugangskontrolle fehlt. Das ist ein Ergebnis einer Studie zu problematischem Glücksspielverhalten bei Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz (siehe Infokasten), deren Ergebnisse gestern in Mainz vorgestellt wurden und nun in einer Broschüre vorliegen.

Immerhin 64,3 Prozent der befragten 12- bis 18-Jährigen gaben an, mindestens einmal in ihrem Leben Glücksspielangebote genutzt zu haben. 41,2 Prozent taten dies in den vergangenen zwölf Monaten. Von diesen spielte fast ein Viertel täglich beziehungsweise mehrmals in der Woche. Häufigstes Motiv für die Lust am Zocken sei die Hoffnung auf Geldgewinne (46,8 Prozent) "und nicht etwa der Unterhaltungsaspekt, der von der Automatenbranche gerne propagiert wird", sagt Studienmitarbeiter Sebastian Giralt.

2,2 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen sind laut Studie als problematische Glücksspieler einzustufen, 3,7 Prozent als suchtgefährdete Spieler. "Hochgerechnet sind dies in Rheinland-Pfalz insgesamt fast 5 000 problematische und 9 400 gefährdete minderjährige Spieler", erklärt Eva Duven, Hauptautorin der Studie. Im Vergleich zu einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2003 spielten in den vergangenen zwölf Monaten doppelt so viele Minderjährige an Geldspielautomaten.

"Dramatisch" und "skandalös" - so bewertet Suchtexperte Prof. Dr. Manfred E. Beutel die Ergebnisse der Studie. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, von deren bundesweit bekannter Spielsucht-Ambulanz die Studie durchgeführt wurde, fordert mit Blick auf die anstehende Änderung des Glücksspielstaatsvertrages strengere Zugangskontrollen für gewerbliche Spielhallen und Glücksspielautomaten in Gaststätten.

Auch Ingo Brennberger, Drogenbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, hofft angesichts der Studienergebnisse auf schärfere Regeln: "Die Daten liegen auf dem Tisch, so kann es nicht weitergehen. Auch die Automatenindustrie ist hier in der Verantwortung!" Die Daten zeigten aber auch, dass ein hoher Bedarf an Angeboten zur Prävention bestehe.

Einig sind sich die Suchtexperten, dass die Spielsuchtgefahr von vielen Erwachsenen unterschätzt werde. Die ersten Erfahrungen mit Glücksspiel machten die Kinder laut Studie mit Pokerspielen, Rubbellosen und Geldspielautomaten. "Wenn Eltern beim Lottospielen für ihr Kind nebenbei ein Rubbellos kaufen, kann das schon problematisch sein", mahnt Beutel. Denn Kinder seien sehr anfällig für jede Art von Belohnung, auch in Form von Geld. Mit Unverständnis reagiert er auf den aktuellen Boom des Pokerspiels: "Poker wird sehr aggressiv im Fernsehen und im Internet vermarktet. Sogar in Comic-Heftchen liegen Pokerkarten und Chips bei, das ist ein Skandal!"

(allgemeine-zeitung.de)