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Thema im Roulette Forum:
"Mit Poker finanziere ich mir mein Studium"

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    Standard „Mit Poker finanziere ich mir mein Studium“

    Ein Doppelklick am Computer genügt und schon sitzt Claus-Peter Hofer* am Online-Pokertisch. Mit Wetteinsätzen von zehn bis zwanzig Dollar zockt der Südtiroler Wirtschaftsstudent gegen Spieler rund um dem Globus täglich um echte Euro. „Mit den Gewinnen kann ich mir mein Studium finanzieren“, betont der Südtiroler. Sein Pokerface braucht der 25-Jährige dafür nicht, im Unterschied zu jenen, die in einem Casino oder privat um Geld spielen. Denn obwohl illegal, zocken immer mehr Südtiroler zuhause.

    Claus-Peter Hofer* ist wohl einer der Wenigen, der das Spiel erfolgreich spielt, aber nur einer von Vielen, die dem Pokerboom gefolgt sind. Denn Poker ist in. Das bestätigt „Casino Austria“ mit eindrucksvollen Zahlen.

    „In den zwölf österreichischen Casinos stieg der Poker-Bruttospielertrag, gemessen am 10. August, um 370 Prozent über jenem des Vorjahres: Vom 1. Jänner bis 10. August 2007 wurde ein Bruttospielertrag von 2,6 Millionen Euro erzielt. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres waren es 560.000 Euro“, hieß es auf Anfrage gegenüber Südtirol Online.

    Auch an den Spielwarenhändlern ist der Boom nicht spurlos vorbeigegangen. „Pokersets haben wir schon seit Jahren im Sortiment. Seit etwa eineinhalb Jahren verkaufen sie sich aber ziemlich gut“, weiß Heinz Gutweniger, Geschäftsführer des gleichnamigen Bozner Spielwarengeschäfts, gegenüber STOL. Dabei seien es besonders Jugendliche ab etwa 15 Jahren, aber auch Erwachsene bis Ende 30, die sich fürs Pokerspiel ausrüsten.

    Das Henne-Ei-Prinzip

    Was den Pokerboom ausgelöst hat, ist schwer nachvollziehbar. Experten machen aber vor allem Online- Poker für den Boom verantwortlich. Online-Pokerwebsites, wie Claus-Peter Hofer sie täglich besucht, werben vor allem im Web, aber auch im TV aktiv und erfolgreich um neue Kunden, die wohl auch den Reiz des Verbotenen suchen.

    Denn in vielen Ländern – so auch in Italien – ist Poker ein Glücksspiel und als solches verboten. Da sich dieses Verbot online aber problemlos übergehen lässt, sinkt die Hemmschwelle vor allem für Anfänger. Rechtlichen Problemen weichen Anbieter von Onlinepoker aus, indem sie ihren Firmensitz in Länder haben, in denen die Rechtslage eindeutiger und günstiger für sie ist.

    Auch die Massenmedien haben den Trend schnell erkannt. Kinofilme wie „Rounders“ und der letzte James Bond-Streifen „Casino Royale“ dürften kräftig mitgeholfen haben, den Pokerboom weiterzutragen.

    Erzählt „Rounders“ vom Leben zweier cooler Profi-Spieler am Rande der Legalität, muss der neue Bond nicht so sehr als Actionheld, sondern vor allem als Pokerspieler überzeugen, um dem Bösewicht am Pokertisch das Handwerk zu legen.
    Fernsehsender haben auf den Boom reagiert, denn hinter dem traditionellen Kartenspiel steckt viel (Werbe)Geld.

    Immer öfter werden Pokerturniere im Fernsehen übertragen, wodurch die Bekanntheit und Akzeptanz von Poker in der Bevölkerung steigt. Indirekt finanziert wird dies durch die Onlinepoker-Anbieter selbst, die sowohl Turniere, als auch die Fernsehübertragungen mitfinanzieren.

    Zu sehen sind Pokerturniere wie die World Series of Poker (WSOP) nicht mehr nur auf Spartenkanälen. Da selbst bekannte Sender wie DSF oder Italia 1 Poker breiten Raum widmen und dabei gute Zuschauerquoten erzielen, haben sich die Teilnehmerzahlen für die WSOP in den letzten drei Jahren auf über 8.000 Spieler verzehnfacht.

    “Es konnten mehr Kinder pokern als watten“

    Diese Veränderungen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Poker in den letzten Jahren „salonfähig“ geworden ist und von einer großen Masse gespielt wird.
    Mittlerweile ist der Boom in Südtirol selbst bei den ganz Jungen angekommen: „In einem Ferienlager im Sommer 2007 konnten mehr Kinder pokern als Watten“, weiß ein Südtiroler Jungscharleiter, der anonym bleiben möchte, zu berichten.

    Vom Trend zum Poker profitieren also vor allem Internet-Anbieter. Mit „Partypoker“, „Titanpoker“ und „Everestpoker“ locken Dutzende Internetseiten legal und mit wachsendem Erfolg Kunden an und erzielen Rekordumsätze und Rekordgewinne. Claus-Peter Hofer selbst ist vor ca. eineinhalb Jahren über ein Online-Casino zum Pokerspiel gekommen.

    „Damals habe ich in einem Internetcasino die Zeit totgeschlagen und ein wenig Roulett und Black-Jack gespielt. Dabei bin ich auf Poker gestoßen und ich war sofort fasziniert“, erinnert sich der Student, der sich mit seinem Hobby sein Studium finanzieren kann.

    Geld macht Poker attraktiv

    „In den vergangenen Monaten habe ich rund 100 Dollar pro Tag gewonnen. An guten Tagen sind es sogar bis zu 600 Dollar“, erzählt der Student, „und in meinem besten Monat habe ich fast 8.000 Euro verdient.“

    Geld spielt beim Poker eine große Rolle. Denn das Risiko, Geld zu verlieren, lässt Adrenalinspiegel und Spannung der Spieler steigen, bestätigt der25-Jährige, der jedoch gelernt hat, damit umzugehen: „Wenn ich einiges Geld gewonnen habe, lege ich meistens eine Pause ein, um nicht überheblich zu werden. Dann versuche ich, runter zu kommen, und höre z.B. entspannende Musik“.

    Mit den eigenen Emotionen am Pokertisch umzugehen weiß auch Thomas Mair*, ebenfalls ein begeisterter Pokerer. Der unbeholfene, freundliche Kollege am Casinotisch könne sich dort schnell als gerissener Zocker entpuppen und „dein gesamtes Geld einsacken.
    Profis können an deinem Gesichtsausdruck bereits dein Blatt festlegen. Man muss seine eigene Nervosität verdecken und diese beim Gegner entdecken. Dabei ist das sprichwörtliche Pokerface gefragt“, erklärt Mair, der vor allem in Südtirol spielt, wo Pokerturniere großen Zulauf finden.

    „Ich war zwei Mal bei einem Turnier in Südtirol, das wöchentlich in einem Lokal in Bozen abgehalten wird. Um mitzuspielen muss man allerdings Mitglied sein.
    Die Veranstalter behaupten es sei legal. Der Organisator der Turniere in Bozen sagt, dass er auf Werbung prinzipiell verzichtet, weil es bereits so schon einen großen Andrang gibt“, so Mair, der ein „riesiges Potential“ an Pokerspielern in Südtirol ausmacht.

    Poker: Ein Glücksspiel

    Poker gilt zwar laut Gesetz als Glückspiel, wird aber von Profis nicht als solches gesehen, sondern vielmehr mit Schach verglichen. Es gilt den Gegner zu täuschen, ihm Fallen zu stellen und selbst nicht in solche zu tappen.

    „Poker hat viel mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun. Hohe Karten gewinnen eher als niedere. Man muss sich seiner rechnerischen Chancen bewusst sein, um langfristig zu gewinnen“, betont Hofer und auch Thomas Mair sieht bei guten Spielern „die Wahrscheinlichkeitsrechnung als Entscheidungshilfe“.

    Neben der Mathematik und der psychologischen Komponente spielt aber auch Glück eine große Rolle. Auch der beste Spieler verliert früher oder später. „An einigen Tagen habe ich schon bis zu 600 Dollar verloren“, gibt Claus-Peter Hofer zu.

    „Ich bin vom Suchtpotenzial überzeugt“

    Profis behaupten: Je besser ein Spieler wird, desto weniger beeinflusst das Glück das Spiel. Dennoch weiß der Student, der täglich Stunden am virtuellen Pokertisch sitzt, um die Gefahren, die beim Spielen drohen. Er ist vom riesigen Suchtpotenzial des Spiels überzeugt. „Man muss sich selbst unter Kontrolle haben, sich Grenzen setzten und diese einhalten“, betont er.

    Zur Suchtgefahr tragen vor allem Online-Pokerräume bei, denn das Internet erleichtert den Zugang zum Glücksspiel. „Es braucht keinen Smoking und man muss sich nicht an die Casino-Etikett halten. Es genügt vom Bett aufzustehen und der Doppelklick am Bildschirm, um zu spielen, schreibt die Zeitung „La Repubblica“ zum Thema.

    Infokasten: Poker ist in Italien illegal

    In Italien besitzt der Staat das Glücksspielmonopol. Trotzdem werden in Südtirol wöchentlich Pokerturniere – außerhalb staatlicher Casinos – veranstaltet, von denen die Polizei angeblich im Bilde ist.

    Nach Angaben der Bozner Verwaltungspolizei gilt Poker in Italien als Glücksspiel und ist laut Strafgesetzbuch verboten. Um als Glücksspiel zu gelten, muss der Ausgang des Spiels völlig oder größtenteils vom Zufall abhängig sein und eine finanzielle Gewinnabsicht dahinterstecken. Allerdings ist auch das Pokern ohne Geld in öffentlichen Lokalen verboten.

    Das Gesetz sieht vor, dass jeder, der in einem öffentlichen Lokal oder privat – auch der eigenen Wohnung – ein Glückspiel veranstaltet oder unterstützt, eine Haftstrafe von drei Monaten bis einem Jahr und einer Geldbuße über 206 Euro riskiert.

    Auch die Teilnahme am Glückspiel in öffentlichen oder privaten Lokalen ist strafbar. Wird man erwischt erwartet einem eine Haftstrafe bis zu sechs Monaten oder ein Bußgeld bis zu 516 Euro.

    Hannes Asam/joi/ba/rb/chb
    stol.it

    * Namen von der Redaktion geändert
  2. #2
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    Standard Als Dealer ganz legal durchs Studium

    Die Stimmung am Pokertisch ist angespannt. Die Spieler blicken kurz in ihre Karten, versuchen die Gesichter ihrer Mitspieler zu lesen. Währenddessen sorgt Mehdi Farahbakhsh dafür, dass sich alle an die Regeln halten. Der 30-jährige Croupier ist einer von rund 40 Studenten, die im Hamburger Casino Esplanade ganz legal als Dealer arbeiten. Er finanziert sein Studium zum Großteil am Poker- und Blackjacktisch.

    Der Weg zu seinem Arbeitsplatz ist wie ein Eintauchen in eine andere Welt. Das Licht ist diesig. Die Umgebung wirkt edel und die Menschen sind eine bunte Mischung verschiedenen Alters und Nationalitäten. Es gilt Sakko-Pflicht im drittgrößten Kasino Deutschlands, das an Wochenenden bis zu 1.000 Gäste pro Tag zählt. Fahrahbakhsh selbst trägt Anzug und Krawatte, wirkt elegant und zurückhaltend.

    Routiniert verteilt er die Karten. Er scheint die Spieler am Tisch im Griff zu haben. "Da hängt vieles von deiner eigenen Persönlichkeit ab, wie du das Spiel leitest, den Tisch oder die Gäste im Griff hast", sagt Farahbakhsh, dessen Eltern aus dem Iran stammen.

    Farahbakhsh: "Bei Geld hört die Freundschaft auf"

    Als er vor viereinhalb Jahren anfing, sei er extrem schüchtern gewesen, mittlerweile erlaube er sich, die Gäste zu unterhalten. "Aber es muss sehr vorsichtig sein, man muss die Gäste kennen, man muss wissen, was darf ich sagen, wann darf ich das sagen, wann nicht," sagt der Jurastudent. Taktgefühl sei sehr wichtig. Anekdoten könne er allerdings nicht erzählen. Das versage ihm seine vertraglich vereinbarte Verschwiegenheitspflicht.

    Die Schichten gehen meist bis vier Uhr morgens. In seltenen Fällen hat er fünf Stunden später bereits seine erste Juravorlesung. Doch meist arbeitet er am Wochenende. Mit einem Lehrgang für das Kartenspiel Blackjack hat Farahbakhsh begonnen. Es folgten Poker und amerikanisches Roulette. Eine in Deutschland einheitliche Ausbildung gebe es nicht, erklärt Gunda Windberger, Sprecherin der Spielbank Hamburg. Deutsche Spielbanken bieten ihre eigenen Lehrgänge an.

    Wichtig seien ein gepflegtes Erscheinungsbild und Fingerfertigkeit. "Beim Roulette muss man ziemlich fit sein im Kopfrechnen", sagt Farahbakhsh. "Ich kann mir auch Jobs vorstellen, die einfacher sind, zum Beispiel Kellnern oder im Supermarkt." Da seien weniger Routine oder besondere Handfertigkeiten gefragt. In die Arbeit im Casino müssten Aushilfskräfte Zeit und Lust investieren. Dafür sei die Bezahlung, die sich aus einem festen Stundenlohn und einem Anteil des Trinkgeldes, dem sogenannten Tronc, zusammensetze, nicht schlecht.

    Täuschungsversuche sind noch immer schockierend

    "Man muss versuchen, immer höflich zu bleiben, Verständnis aufzubringen", sagt der Student. "Dabei geht es um Geld und bei Geld hört die Freundschaft auf und der Spaß auch." Nicht jeder könne mit den Emotionen der Spieler umgehen. Es seien auch schon Aushilfskräfte ausgestiegen, weil sie sich unwohl fühlten, wenn sie Gästen Geld wegnehmen sollten, erzählt Farahbakhsh.

    "Croupiers arbeiten vor Publikum", sagt Windberger. "Wenn fremde Menschen mit ihrem eigenen Geld am Tisch sitzen und spielen und man sagt eine falsche Zahl an, ist aufgeregt und unsicher, dann ist man schon sehr auf dem Präsentierteller." Zudem lebe dieser Beruf von Präzision und Pünktlichkeit und alles sei hierarchisch geregelt.

    Auch an die hohen Summen, um die gespielt werde, habe Farahbakhsh sich gewöhnt. Am Anfang habe er bei einem 500-Euro-Chip noch gedacht, das seien die Studiengebühren für zwei Semester. "Ich will nicht soweit gehen und sagen, man verliert seine Relation zum Geld", sagt er. Aber inzwischen sehe er die Jetons nicht mehr als Geld.

    Bei aller Routine, gebe es aber auch schockierende Momente. "Was mich geschockt hat, war, wenn ein Gast es gewagt hat, zu täuschen", sagt Farahbakhsh. Das passiere zum Glück nur sehr selten, denn alles sei sehr transparent im Casino. Erfahrene Casino-Mitarbeiter, Finanzbeamte der Stadt und letztlich Kameras beobachten den korrekten Ablauf des Spiels. Sein Tipp für einen Erfolg am Spieltisch: "Man hat gute Chancen, wenn man sich an die Regeln hält."

    (dapd)
  3. #3
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    Veihingen
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    Standard AW: Als Dealer ganz legal durchs Studium

    Wow interessant, manchmal spielt man einfach das Poker rauf und runter, ohne daruber nachzudenken. wusste nicht, dass es sogar in einigen Laendern verboten ist...naja jetzt bin ich auch ein bischen schlauer!
    lg
    Anja
  4. #4
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    Standard AW: "Mit Poker finanziere ich mir mein Studium"

    Hallo Anja,

    Zitat Zitat von Anja Beitrag anzeigen

    wusste nicht, dass es sogar in einigen Laendern verboten ist...
    Mich würden dazu gerne die Gründe interessieren, leider bin ich darüber (noch) nicht fündig geworden. Einer der Gründe könnte sein, dass man um das Geld anderer Leute spielt. Die Gewinne kommen schließlich von den Gegnern am Tisch. Beim BlackJack oder Roulette ist die Bank der Gegner und im Regelfall, zumindest kann man das so ausrechnen, immer der Gewinner.

    Gruß

    Harvey
  5. #5
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    Standard Vom Studenten zum Poker-Profi

    Roman H. pokert bis zu 40 Stunden pro Woche. Und hat damit schon weit über 100.000 Euro gemacht.

    Es ist der Morgen des 18. Dezember 2009. Roman H., 23 Jahre alt, liegt erkältet im Bett. Vor ihm sein Laptop. Hinter ihm 14 Stunden Online-Poker. Der Charlottenburger hat gerade ein Turnier mit rund 500 Spielern aus der ganzen Welt gewonnen. 12.500 Euro stehen jetzt auf seinem Konto. "In diesem Moment wurde mir klar, dass das mehr als ein Hobby ist", sagt er. Seit diesem Tag ist Roman H. Profi-Pokerspieler.

    12.500 Euro über Nacht – mit einem Kartenspiel. Eine unfassbare Summe für einen Studenten. Und doch nichts im Vergleich zu dem, was der 22-jährige Pius Heinz am Mittwoch in Las Vegas abräumte. Bei der World Series of Poker, dem wichtigsten Pokerturnier der Welt, gewann der Student aus Bonn 8,7 Millionen Dollar (6,3 Millionen Euro). Mit 17 Jahren fing Heinz an, mit Kumpels zu zocken, um wenige Euro. Heute hat er so viel Geld, dass er nie wieder arbeiten müsste. Er ist einer von mehreren Tausend Deutschen, die Berufsspieler sind. So wie Roman H.

    Klackernde Chips und Gemurmel – der Soundtrack des Pokersaals in der Spielbank am Potsdamer Platz. Es ist 21.30 Uhr, seit zehn Minuten sitzt Roman H. mit sechs anderen Spielern am Tisch. Alles Männer, die meisten Mitte 20, sie tragen Kapuzenpulli und Turnschuhe. Der Dealer verteilt Karten. Ein schneller Blick. Roman H. hat 6 und 2 in Pik, kein besonders gutes Blatt. Trotzdem erhöht er um 140 – ein Bluff. Er zeigt sein Pokerface. Einer geht mit. Die Karten werden aufgedeckt, der Charlottenburger trifft zwei Paare, Sieg. Bunte Spielchips im Wert von über 500 Euro wandern zu ihm. Seine Reaktion? Keine. Wieder das Pokerface.

    "Es klingt arrogant, aber über solche Beträge kann ich mich nicht mehr freuen", sagt Roman H. 40 Stunden spielt er pro Woche, die meiste Zeit online und an bis zu sechs virtuellen Pokertischen gleichzeitig. "Da musst du hoch konzentriert sein. Wenn das Telefon klingelt, kann ich nicht rangehen", sagt der Student. An ein bis zwei Abenden geht er ins Kasino, oft bis 3 Uhr nachts. "Hier macht das Spielen mehr Spaß, ist aber auch weniger einträglich."

    Der Poker-Markt boomt. Experten schätzen, dass rund 500.000 Deutsche online spielen. Weltweit sollen es sechs Millionen sein. Pro Jahr machen Pokeranbieter im Netz rund 30 Milliarden Euro Umsatz. Seit wenigen Jahren überträgt der Fernsehsender Sport1 Turniere, die Tennislegende Boris Becker macht Werbung für einen bekannten Anbieter, Stefan Raab veranstaltet Poker-Shows. Ein Milliarden-Geschäft, das in Deutschland außerhalb von Kasinos verboten ist. Die Anbieter platzieren deshalb ihre Server in der Karibik, Kanada oder Gibraltar.

    Mach was Vernünftiges!

    Das zwielichtige Image ist das Kartenspiel nicht losgeworden. Pokerspieler, das sind dubiose Männer mit Hut, Whiskey und Zigarre in dunklen Räumen. Es geht um Geld, Glück, und Macht, so will es das Klischee. Der Bond-Streifen "Casino Royale" hat dieses Bild kräftig unterstrichen. "Bekannte oder Verwandte sagen, dass ich was Vernünftiges machen soll", so Roman H. Der ewige Zwang zum Rechtfertigen hat dazu geführt, dass er seinen Beruf oft verschweigt, wenn er neue Leute kennenlernt. "Dann bin ich eben einfach nur Student, das klingt bodenständiger." Was nicht gelogen ist. Der 25-Jährige ist an einer Privatuniversität als Sportmanagement-Student eingeschrieben. Doch seit zwei Jahren war er in keiner Vorlesung – seit das Pokern sein Job ist.

    Fünf Stunden in der Woche beschäftigt Roman H. sich mit der reinen Theorie. Bücher lesen, Videos schauen, mit Kollegen austauschen. "Denn es geht viel mehr um Mathematik als um Glück", sagt er.

    Ein Klischee ist jedoch wahr. Es geht um verdammt viel Geld.

    "Insgesamt habe ich einen guten sechsstelligen Betrag gewonnen. Mal sind es 90.000 Euro plus im Monat, mal minus", sagt Roman H. An einem Tag vor wenigen Monaten verlor er 21.000 Euro. "Damit muss man umgehen können. Der Zorn über Verluste ist immer größer als die Freude über Gewinne."

    Im Mai erfüllte er sich einen Traum: Las Vegas. Doch nach drei Wochen im Zocker-Paradies standen minus 9000 Euro. "Es lief von Beginn an schlecht. Und ich konnte weder die Stadt noch die Freizeit genießen."

    Zurück im Alltag. Roman H. wohnt in einer WG in Charlottenburg mit vier Studenten zusammen. "Wenn ich nach Hause komme, ist immer jemand da. Das mag ich", sagt er und starrt die zwei 24-Zoll-Bildschirme auf seinem Schreibtisch an. Daneben steht noch ein Laptop, Facebook ist aufgerufen. Im Hintergrund läuft der Fernseher. Roman H. kriegt vom Programm nichts mit, die Konzentration gilt einem Tisch, wo er Heads Up, das heißt eins gegen eins, spielt. Auch der neue Weltmeister Pius Heinz spielt vor allem online. Was er gedacht hat, als dieser Bubi den Jackpot in Las Vegas holte? "Natürlich: Da könnte man jetzt auch sitzen. Aber ich gönne es ihm, er ist ein sympathischer Typ."

    In ein paar Jahren will Roman H. mit dem Pokern aufhören. Wenn so viel Geld zusammen ist, dass er sich keine Sorgen mehr machen muss. Studium beenden, einen normalen Job anfangen, das ist der Plan "Aber ich weiß, dieser Schritt ist das Schwierigste überhaupt."

    (bz-berlin.de)
  6. #6
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    Standard Gegen die Zeit

    Anton Meier lebt vom Pokern – lauernd und souverän. Als Croupier in Clubs fing er an, für gut 10 Euro die Stunde. Dass er nun Familienväter ausnimmt, tut ihm leid.

    Es ist 22 Uhr, Spielbank Bad Wiessee. Er legt den Schein auf den Tisch. Rosa und weiß, in der Mitte geknickt, fünfhundert Euro.

    Er hat darauf gewartet, sein Portemonnaie aus der Hosentasche zu ziehen. Hat schnell gegessen, Putenbrust, Wok-Gemüse, "gesund ernähren ist wichtig". Hat schnell getrunken, alkoholfreies Bier, "trinken geht nicht". Hat es schnell gesagt, klar, zackig, hat den weißen Hemdkragen zurecht gerückt, am dunklen Jackett entlanggestrichen.

    Er hat gewartet, bis eine Frauenstimme das Gemurmel im Casino übertönt. Das Klacken der Chips. Das Rollen der Roulette-Kugel. Bis die Dame per Lautsprecher den Pokertisch am Fenster für "frei" erklärt. Die Runde beginnt.

    Da hat er sein Alkoholfreies genommen und die "Winners Lounge" verlassen, das Restaurant, in dem "Pizza Black Jack" und "Gina Lollobrigida Sandwich" auf der Karte stehen. Er ist an der Bar vorbei, den Damen in Minikleidern, den Männern mit Fliege, hat sich hingesetzt an den Tisch mit grünem Filzbezug, hat den Schein ausgepackt. Rosa und weiß, in der Mitte geknickt.

    Sein Regelwerk

    Stunden früher, Olympiapark München. Anton Meier - der Name ist falsch, weil er in der Anonymität untertauchen und unerkannt bleiben will, niemand soll Zugriff haben auf ihn - sitzt im Biergarten. 25 Jahre ist er, groß und braun gebrannt.

    Er erzählt, dass er kürzlich erst in Las Vegas war. Und wie er das überhaupt so macht mit dem Pokern, dass er vier, fünf Mal die Woche mit seinem Golf fünfzig Kilometer nach Bad Wiessee ins Casino fährt. Und wie er seinen Gegnern dann zeigt, dass er gut ist, gut und bereit. "Regel Nummer eins: Wenn du binnen zwei Minuten nicht sagen kannst, wer am Tisch schlecht spielt, spielst du selbst schlecht."

    Meier spielt nicht schlecht. Er spielt professionell. Strategisch. "Solide pokern geht mit Mathe", sagt er, nimmt sein blaues Baseballcap vom Kopf und streicht sich über den kahlen Kopf. So habe er es sich beigebracht, damals, in Würzburg. Nach der Schule.

    Als Croupier in Clubs fing er an, für gut 10 Euro die Stunde. "Da hast du die Leute einzuschätzen gelernt. Wer was legt und wer was hat." Irgendwann war es das Spiel, das ihn reizte. Die Komplexität. Der Nervenkitzel. Irgendwann saß er spät abends in Cafés, die längst geschlossen hatten. In Hinterzimmern. "Mit Leuten aus dem Rotlichtmilieu und der Drogenszene." Sein Soziologiestudium interessierte ihn eh nicht. Umsatz interessierte ihn.

    Am "Main Event" der World Series of Poker in Las Vegas, dem wichtigsten Turnier der Branche, nahmen im vergangenen Jahr fast 7.000 Menschen teil. Dieses Jahr will auch Anton Meier dabei sein. Das Startkapital, das man vorlegen muss: 10.000 Dollar. "Geht ja", sagt Meier und schaut zu der jungen Familie, die neben ihm auf einer Bierbank sitzt. "Wenn du den ersten Platz belegst, kriegst du locker zehn Millionen."

    Es ist 23 Uhr, Spielbank Bad Wiessee. Der Croupier, ein Herr in Anzug und mit strengem Gesicht, mischt die Karten, ratsch, ein Stapel, ratsch, noch einer. Es klingt, als ziehe jemand einen Reißverschluss zu. Das Geräusch gibt dem Spiel seinen Rhythmus, sonst sind nur Codes und Zahlen zu hören: "Achtzig Euro." "Check."

    Meier sitzt auf dem samtbezogenen Stuhl, ein Bein angezogen. Die bunten Chips lässt er durch seine Hand rieseln, die blauen Zehn-Euro-Marken, die gelben Fünfziger, glatt und griffig. Er ist jetzt Geschäftsmann. Flupp, die Karten gleiten über die grüne Oberfläche, lautlos fast. Draußen verzieht sich das Gewitter, kein Krach, kein Donner. Drinnen versinken die Füße in Teppich, ein bisschen wie in Schnee.

    Anton Meier hat seine Ernsthaftigkeit vor dem Casino abgelegt. Am Pokertisch scherzt er, murmelt "schön", wenn ein Mitspieler bessere Karten hat. Seine eigenen sieht er kaum an, nur kurz, nur die obere Kante, nur wenn keiner guckt. "Ich weiß, dass ich der Beste bin", sagt er.

    Seine Skrupel

    Olympiapark München. "Du musst dich immer gleich verhalten." Anton Meier schaut in die Sonne, als er seine Tricks verrät. Sie sind seine Religion, er sagt sie auf wie Christen die Zehn Gebote. "Du darfst keine Angst vorm Geld haben." "Du darfst keinen am Tisch beleidigen."

    Seine Techniken hat er vor drei Jahren verfeinert, in München, wo er schon eine Weile wohnte. Die Einladungen zu illegalen Runden kamen damals immer öfter, er kam ihnen immer öfter nach. Aber die Polizei wurde auch wacher. 2010 habe es eine besonders schlimme Razzia gegeben, erzählt Anton Meier, bestimmt vierzig Polizisten, die eines der beliebten Hinterzimmer mit Rauchgranaten stürmten, seine Kollegen festnahmen, "und nicht gerade sanft".

    Über den Vorfall wurde nur wenig berichtet. In der Münchner tz stand, sechzig Polizisten seien auf 24 Männer und drei Frauen getroffen, "die an drei Tischen "Texas Holdem", eine Variante des Pokers, spielten. Auf den Spieltischen lagen rund 10.000 Euro Bargeld. Außerdem stellten die Beamten kleine Mengen an Kokain und Haschisch sicher." Die Abendzeitung schrieb: "Einer der Zocker erschrak bei der Razzia so sehr, dass er einen Schwächeanfall erlitt. Ein anderer wurde von einer herumfliegenden Glasscheibe am Oberschenkel verletzt, als Polizisten die Wohnung stürmten". Anton Meier erwischten sie nicht, er hat an dem Tag nicht gespielt. Er hatte Glück.

    "Alle nennen mich Glückskind." Meier lacht. Der Satz geht unter im Gemurmel des Biergartens. Er selbst nennt sich Sonntagskind. Und dann spricht er über sein Leben. Darüber, wie es sich verändert hat, seit er wieder studiert, um das zu werden, was er werden will, Sportjournalist. Seit er von 9 bis 17 Uhr in Vorlesungen sitzt, von 18 bis 1 Uhr für Sender Interviews führt, von 1.30 Uhr bis 6 Uhr zockt, Texas Holdem oder Omaha Holdem oder Seven Card Stud. Das Leben ist hart. Härter aber sei es gewesen, als er das erste Mal in Las Vegas war, um in die großen Casinos zu gehen - seinem Vater erzählte er, er würde ein Auslandssemester machen. Da saß er einmal dreißig Stunden am Tisch. Für 200 Euro die Stunde.

    Meier war in Los Angeles, New York, London und Miami, überall hat er gespielt. Meistens kehrt er zurück nach Vegas. Dort fängt seine Schicht um 1 Uhr an, wenn die Ersten müde werden. Er brilliert um 4 Uhr, wenn die Nachtclubs schließen und betrunkene Touristen, leichte Beute, die Casinos fluten. Geht um 8 Uhr ins Bett, wenn andere frühstücken, er so "dreckig und verschwitzt" ist. Und dabei immer dieses "richtig schlechte Gefühl".

    Im Sommer war er acht Wochen da, in den Semesterferien. Sein größter Gewinn? "45.000 Dollar an zwei Tagen." Sein größter Verlust? "12.000 Dollar an einem Tag." Abgegeben an einen Millionär, "dem war Geld völlig egal". Der steckte einem anderen Verlierer 20.000 Dollar zu. Der Kellnerin 5.000.

    "Kaffee, Kaffee, Kaffee". So hält sich Anton Meier wach. "Fußball, Tennis, Fitness". So hält sich Anton Meier fit. Er kokst und trinkt nicht, wie viele seiner Kollegen, die er hat abstürzen sehen. "95 Prozent verlieren." Er spricht von Kollegen, weil seine Gegner nicht seine Freunde sein können. "Kontakte beim Poker sind Zweckbeziehungen." Kontakte im Leben dagegen nähmen ab. Weil sie ihm Sucht vorwerfen, ihm nicht glauben können, dass er einer der wenigen ist, die vom Glücksspiel leben können. Und seine Freundin? "Die vertraut mir." Und sein Vater? "Der muss es akzeptieren."

    Sein Glück

    Und er selbst? Sein Auge flattert. "Man macht sich schon seine Gedanken", sagt er dann. Weil es so verlockend sei, das einfache Geld, und weil es naiv wäre, zu glauben, man sei vor der Sucht geschützt. "Andererseits kann ich auch vier, fünf Wochen Pause machen", im Gegensatz zu anderen Spielern, die er kenne, "die halten das nicht aus". Außerdem wolle er das ja nicht ewig machen, oder zumindest reduzieren, ja reduzieren, weil Casinos nur in den Filmen mit Zigarren, Whiskey, Frauen und James Bond zu tun hätten, weil er Familienväter ausnehme, "weil dich die Gesellschaft nicht anerkennt. Weil du der Gesellschaft nicht hilfst."

    Es ist 24 Uhr, Spielbank Bad Wiessee. Anton Meier wirft den Schein in die Mitte. Rosa und weiß, in der Mitte geknickt. "Hundertneunzig Euro." Die Blicke der Mitspieler stören nicht. Sein Gesicht regt sich nicht.

    Er weiß, dass der eine die Füße nach außen gerichtet hat, voneinander weg, so, wie man es nicht tun soll beim Poker, weil es Flucht bedeutet und Angst. Anton Meier hat die Bücher gelesen, dreißig ungefähr, "Cash Games" und "Poker Secrets" und Polizeibreviere über Körpersprache. Er weiß, dass der andere, der Zweite, gleich mitzieht, seine Chipstürme neben den Schein schiebt, "all in" sagt. All in.

    Er weiß, dass er der Beste ist. Er spielt mit Strategie, mit Mathe. Er sagt das oft.

    Anton Meier gewinnt.

    (taz.de)

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