Ein Plädoyer für den Erhalt der staatlichen Spielbanken hat MdL Konrad Kobler (CSU) verfasst. Anlass ist die Aktion von Jörg Rhode (FDP). Er hatte vergangene Woche die Aktion "Spielbank zu verkaufen" gestartet und dabei auch in Bad Füssing für eine Privatisierung staatlicher Spielbanken demonstriert.
Kobler hat sich deshalb an Ministerpräsident Horst Seehofer gewandt. Hier das Schreiben:
Sehr verehrter Herr Ministerpräsident,
lieber Horst!
In den letzten Tagen wurden wir landesweit aufgescheucht durch die von der FDP-Landtagsfraktionsspitze gestartete Initiative zum Verkauf der staatlichen Spielbanken. FDP-Landtagsvize Jörg Rhode reist mit Argumenten durch die Lande, die so nicht haltbar sind und dem bayerischen Image und damit der gemeinsamen von CSU und FDP getragenen Koalition schaden.
FDP-Kollege Rhode hat offenbar noch nicht zur Kenntnis genommen, dass in der Tat einige der staatlichen Spielbanken ins Minus gerutscht sind, weil eben der "Spielmarkt" schon sehr weitgehend liberalisiert wurde und weitgehend unkontrollierbar ist. Herr Rhode und große Teile der FDP übersehen dabei offenbar, dass die Spielbanken Bayerns zu Zeiten, wo es noch nicht die "wettbewerbsmäßige Schieflage" zu den privat-gewerblichen Spielhallen gab, Millioneneinnahmen für die Kommunen, den Staat und auch für sozial-caritative Einrichtungen erbrachten!
Es kann nicht sein, dass die 9 staatlichen Spielbanken, die einer geordneten und strengen Kontrolle unterzogen sind, wegen vom Staat selber auferlegten wettbewerbsmäßigen Benachteiligungen nun auch noch zu Gunsten der privat-gewerblichen Spielhallen liquidiert werden sollen. Es gibt beim jetzigen System "Staatliche Spielbanken" und "privat-gewerblichen Spielhallen" ganz gravierende Wettbewerbsverzerrungen hinsichtlich Öffnungszeiten und Kontrollen. Schließlich spielen aber auch der Nichtraucherschutz und Auflagen zur Suchtprävention eine weitere negative Rolle für den wirtschaftlichen und erfolgreichen Betrieb der staatlichen Spielbanken.
Ich melde mich insbesondere auch als "Vater der Bad Füssinger Spielbank" zu Wort, weil ich auf parlamentarischer Ebene in den 90iger Jahren rund 8 Jahre für den Standort kämpfte und weil eine Spielbank zu jeder großen Kurregion sozusagen zur "Grundausstattung" gehört. Spielbanken in staatlicher Hand mit entsprechender Kontrolle haben sich bestens bewährt. Durch die Umstrukturierung und insbesondere inflationäre Entwicklung der privat-gewerblichen Spielhallen, Nichtraucherschutz, Einschränkung der Öffnungszeiten und naheliegenden Konkurrenz-Spiel-Casinos ohne jegliche Einschränkung in Tschechien und Österreich, mussten die staatlichen Spielbankenbetriebe zwangsläufig enorme Einnahmeverluste verzeichnen.
Es hat sich meines Erachtens im staatlichen Spielbankenbereich beim Personal ganz nüchtern betrachtet schon auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass die vorgenannten Aspekte Gründe sind, die es nicht mehr zulassen, die staatlichen Spielbanken mit dem bisherigen Personalbestand zu besetzen, wie dies eben in früheren Jahren zu Spitzenzeiten mit nur wenigen privat-gewerblichen Spielhallen der Fall war.
Weiter wird in der aktuellen öffentlichen Diskussion verschwiegen, dass sich das Defizit bei den staatlichen Spielbanken sich primär auch dadurch ergibt, dass die Spielbanken vom Bruttospielertrag vorweg enorme Beträge dem Freistaat und den jeweiligen Kommunen abzuführen haben und damit zwangsläufig gewinnreduzierend bzw. verlustbringend sind. Verschiedene Gespräche mit den Mitarbeitern der Bayerischen Spielbanken bringen mich zum Ergebnis, dass
1. alles unternommen werden muss, den FDP-Forderungen nach Verkauf der staatlichen Spielbanken hier nicht auf den Leim zu gehen und
2. dem Koalitionspartner FDP klar gemacht wird, dass noch mehr Liberalität und Aufgabe von Sicherheits- als auch kommunaler Interessen nicht hingenommen werden kann.
3. Schließlich haben die Kommunen über Jahre enorme Einnahmen erzielt, womit sie teils die errichteten baulichen Anlagen abfinanzieren müssen und hier noch Jahre in der Pflicht sind.
4. Ferner würden durch eine Privatisierung qualifizierte Dauerarbeitsplätze liquidiert und sicher ein Teil in nicht sozialversicherungspflichtige geringfügige Beschäftigungsverhältnisse umstrukturiert werden.
Lieber Horst! Aus den Erfahrungen der Privatisierung staatlicher und halbstaatlicher Einrichtungen wie Bundespost, Bundesbahn, Telefonwesen, Energie, usw. müssen die Lehren gezogen werden. Die Politik muss alles daran setzen, nicht ein neues Feld zu schaffen, wodurch wir uns später in chronifizierter Form mit Schlagzeilen einschlägiger Art auseinanderzusetzen haben. Eine Privatisierung der staatlichen Spielbanken wäre eine Fehlentscheidung, welche wir uns von der FDP nicht aufoktroyieren lassen dürfen. Die von FDP-Kollegen Rhode gestartete Initiative mit seinem umhängenden Schild vor jeder staatlichen Spielbank "Spielbank zu verkaufen" ist gegenüber den Beschäftigen nicht nur taktlos und unseriös, sondern auch in allgemeiner politischer Hinsicht nicht akzeptabel und in der vorgenommenen Form eine "Frechheit" besonderer Art! Es ist eine zu billige Publicity-Aktion zu Lasten der Spielbanken, der dort Beschäftigten und der Kommunen.
Seitens der CSU wären deshalb in geeigneter Form möglichst umgehend Zeichen dahingehend zu setzen,
5. den Verunsicherungskampagnien ein Ende zu bereiten und bestehende Wettbewerbsverzerrungen gegenüber den staatlichen Spielbanken zu beseitigen.
Konkret meine ich damit, dass die Rahmenbedingungen für die staatlichen Spielbanken so gesetzt werden müssen, dass sie auch unter entsprechender Kontrolle wieder in die Gewinnzone kommen. Die ideologisch verbrämte FDP-Schließungsdebatte muss schleunigst beendet und ad acta gelegt werden und darf nicht weiter auf dem Rücken der Beschäftigten der Spielbanken ausgetragen werden.
Ein Spielbankenverkauf nach FDP-Muster darf ebenso wenig in Betracht kommen, wie der immer wieder von dieser Seite geforderte Verkauf des "Staatlichen Hofbräu-Hauses"! Selbst die Spielbanken Bayerns sind nach entsprechenden Erkundigungen dabei, ein Restrukturierungskonzept zu errichten, womit den Mitarbeitern wieder positive Zukunftsperspektiven gegeben werden können. Eine Privatisierung ist kein Patentrezept für größere Umsätze oder größere Attraktivität. Vielmehr habe ich die großen Bedenken, dass eine aktive Suchtprävention viel stärker auf der Strecke bleiben würde. Die Privatisierung der Spielbanken in Niedersachsen zeigt ebenfalls, dass dies nicht sehr zielführend ist.
Ich bin der Überzeugung, dass das Restrukturierungskonzept der staatlichen Spielbanken zusammen mit dem in Bearbeitung befindlichen Zukunftskonzept der Bayerischen Staatsregierung der richtige Weg sind, wo es auch weiterhin effektiven Spielerschutz und Suchtprävention als wichtige Maßstäbe für den Betrieb von Spieleinrichtungen geben wird. Die CSU muss auch diesbezüglich Zeichen setzen, dass sie in dieser Koalition für Spielerschutz und Suchtprävention eintritt und andere Pläne der FDP in dieser Koalition nicht durchsetzbar sind.
Ich bitte für meine kritischen Anmerkungen um entsprechend wohlwollende Aufnahme und teile mit, dass einen Brief gleichen Inhalts auch der Vorsitzende unserer Landtagsfraktion, Herr Georg Schmid, erhalten hat.
Mit freundlichen Grüßen
Dein
Konrad Kobler
(pnp.de)