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Thema im Roulette Forum:
Lübeck-Travemünde: Nichts geht mehr?

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    Standard Lübeck-Travemünde: Nichts geht mehr?

    Die Tage der legendären Spielbank sind gezählt. Mit dem glamourösen Vergnügungstempel für die High Society hat das gesundgeschrumpfte Casino Travemünde heute, ein halbes Jahrhundert nach seiner Blütezeit, ohnehin nur noch wenig zu tun.

    Eine breite Treppe mit rotem Teppich führt in den Spielsaal im ersten Stock hinauf, die alten Kronleuchter von 1914 hängen noch von der Decke, und die Fliegen der Croupiers sitzen so perfekt wie eh und je. Doch die fetten Jahre sind vorbei - vor allem die glamourösen. Schon lange bilden die Luxuslimousinen in der Kaiserallee keine Staus mehr. Das Casino Travemünde, das international bekannt wurde und als Institution sogar namentlich in Landkarten eingetragen ist, ist auf einen Seitenflügel im ehemaligen Konversationshaus zusammengeschrumpft. Der prunkvolle Große Saal, in dem noch Mitte der 90er Jahre fast ein Dutzend Roulettedoppeltische standen, wird nur noch einmal im Jahr vom Columbia Hotel & Resorts für ein großes Pokerturnier angemietet.

    Doch das Spiel geht weiter. Im ersten Stock stehen zwei Black-Jack-, vier Roulette- und drei Pokertische. Die Tür zum Großen Saal ist zugeschoben. Der angrenzende Seitenflügel wird durch Trennwände und Sitzgelegenheiten zu mehreren Raumeinheiten gegliedert. Sie münden in einer Bar, die zu drei Seiten verglast ist - natürlich mit Blick auf die Ostsee.

    Einer Frau Mitte Vierzig sind gerade die Jetons ausgegangen. Sie geht zur Kasse und schiebt fünf lila Geldscheine über den Tisch. Das Spielgeld verschwindet klackernd in ihrer weit geschnittenen Hosentasche. Dann kehrt sie zum Roulettetisch zurück und bestückt unterschiedliche Felder mit kleinen Haufen lila Jetons. Es ist offensichtlich ihre Lieblingsfarbe. Sogar ihr Nagellack hat denselben Farbton wie die Plastikplättchen à zehn Euro. Der weißhaarige Croupier dreht das Rad und wirft die Kugel gegen die Drehrichtung. "Nichts geht mehr" sagt der Croupier zu einem Spieler, der noch schnell seinen Einsatz loswerden will. Die Kugel bleibt bei der roten 18 liegen. Vier lila Häufchen verschwinden im Loch der Spielbank, ein Haufen wird verdoppelt. Neue Runde, neues Glück.

    Innerhalb weniger Minuten kann der Einsatz verdoppelt, vervierfacht, verhundertfacht werden. Manchmal klappt das ja auch. Eine Frau erzählt, ihr Mann habe in Hittfeld bei Hamburg eine knappe halbe Million beim Roulette gewonnen - und das mit nur 5000 Euro Einsatz. Ein Haus hätten sie sich davon gekauft, sagt die Frau stolz. "Aber nie mit fremdem Geld spielen", rät der Mann, als er gerade wieder einen ganzen Sack voll Jetons eingestrichen hat. "Das macht keinen Spaß", sagt er und wendet sich wieder dem Glück zu.

    Während er immer gleich hohe Beträge einsetzt, legt sie immer nur einen Jeton zu fünf Euro auf eine Farbe und wartet ab. Sie hat Glück. Eine rote Zahl kommt nach der nächsten. Jedes Mal wird ihr Haufen verdoppelt: Aus fünf mach zehn, aus zehn mach zwanzig, vierzig, achtzig, hundertsechzig, dreihundertzwanzig, sechshundertvierzig. Man möchte fast glauben, dass sie mit ihrem Willen den Zufall bestechen kann, doch dann kommt plötzlich eine schwarze Zahl und der schöne Haufen verschwindet wie schon so viele zuvor im Loch der Bank. Zusammen mit den anderen verlorenen Jetons werden sie im Tisch automatisch sortiert. Kurze Zeit später ploppen sie nach Farben geordnet wieder auf.

    (merian.de)
  2. #2
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    Standard Die High Society tanzt zum Hazy-Osterwald-Sextett

    1949 erhielt die Kasino-Betriebs-Gesellschaft mbH & Co eine der ersten Glückspielkonzessionen in Deutschland und zog in das 1914 gebaute "Konversationshaus" ein. Direktor Henri Neid aus dem belgischen Luxusbad Spa brachte die Roulettekugel ins Rollen. Auch sonst wusste er, was die High Society - oder was sich dafür hielt - von einem Seebad erwartete.

    Er ließ das nah gelegene Kurhaus-Hotel samt Zimmern und Restaurants so renovieren, dass die Zielgruppe des Casinos sich darin wohl fühlen konnte. Der Nightclub "La Belle Epoque" eröffnete, und bald traten internationale Stars wie Lale Andersen, Josephine Baker, Bruce Low, Lou van Burg, Eddie Constantine, Vico Torriani, Lys Assia, die Kessler-Zwillinge, Siw Malmkvist, Roberto Blanco, Marlène Charell, Gitte Hænning und die Blue Bell Girls vom Cabaret Lido de Paris hier auf. Als Begleitung gehörte unter anderem Kurt Edelhagen mit seiner Bigband, Hazy Osterwald und sein Sextett sowie das Siggi-Gerhard-Swingtett dazu. Während der Saison wurden außerdem täglich Open-Air-Tanztees veranstaltet, bei denen Antonio Puttini als Chef des Kurorchesters die Damen mit seinen Konzerten verzauberte.

    Für das Konversationshaus samt Garten und Musikpavillon zahlte die Kasino-Betriebs-Gesellschaft 50.000 Deutsche Mark Pacht im Jahr. Die Vormieterin hatte 7.250 Reichsmark gezahlt. Einheimische aus Travemünde und Lübeck durften nur das "Kleine Spiel" im Arkadenhaus neben dem Kurhaus besuchen. Dadurch sollte verhindert werden, dass sie beim "Großen Spiel" im Casino Haus und Hof riskierten. In den 60er Jahren machte das Casino Travemünde die zweithöchsten Umsätze in Deutschland - auf Platz eins rangierte das Casino in Baden-Baden. Aus ganz Norddeutschland und Skandinavien reisten die Glücksritter nach Travemünde - allerdings gab es damals außer der Spielbank in Westerland auch noch keine Konkurrenz im näheren Umfeld.

    Das Casino Travemünde hatte damals noch einen Ruf zu verlieren und legte viel Wert auf Etikette. Herren ohne Anzug wurde der Eintritt ins Casino verwehrt, und der Schlips durfte auch nicht fehlen - den immerhin konnten die Herren notfalls beim Portier für 10 D-Mark erstehen. Heute wird das mit der Kleiderordnung nicht mehr so eng gesehen. Bermudashorts und Flipflops - wie man sie in amerikanischen Casinos häufig sieht - sind zwar nicht erwünscht, aber vom Jackettzwang wird in den Sommermonaten abgesehen. Man freut sich, wenn sich die Gäste in Schale werfen und man wünscht sich, dass sie zumindest so kommen, wie man abends schön essen gehen würde.

    Es wird nicht versucht, die mondänen 1960er Jahre nachzuspielen, in denen man zwar in ganz Travemünde mit Jetons bezahlen konnte, der Besuch einer Spielbank jedoch der Elite vorbehalten war. Damals kamen die Frauen im Pelzmantel, und als erstes wurde eine Flasche Schampus geordert. Heute werden hauptsächlich Bier und Longdrinks ausgeschenkt, und wenn bei der Fußballbundesliga ein Tor geschossen wird, kann man sich die Wiederholung in der Casinobar anschauen.

    "Der Besuch in einer Spielbank ist heutzutage schon noch ein besonderes, aber nicht mehr so ein exklusives, teures Vergnügen", sagt Jessica Barke, Casinoleiterin der Spielbank in Travemünde. "Viele denken, dass Casinogänger nur Ärzte und Unternehmer sind, die sonst Golf spielen und segeln. Solche Gäste kommen auch, aber eben auch die Hausfrau, die einmal im Monat mit 50 Euro zwei, drei Stunden Black Jack spielt."

    (merian.de)
  3. #3
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    Standard Ein Casino für alle - selbst die Einheimischen

    In der Tat ist es ein amüsantes Sammelsurium an Gästen, die an diesem Freitagabend ihr Glück herausfordern. Am Pokertisch sitzen vorwiegend die Mitglieder der Jeans- und T-Shirt-Fraktion, die das obligatorische Sakko über die Rückenlehne ihres Stuhls gehängt haben. Sie kennen sich untereinander, machen Witze und tun, als würden sie nicht um Geld, sondern um Gummibärchen spielen wie früher als Teenager auf Ski-Klassenfahrt. Vielleicht sind es für sie auch nur Gummibärchen. Man sieht den Leuten heutzutage nicht mehr so genau an, wieviel sie auf dem Konto haben und ab wann ein verlorenes Spiel wehtut. Jedenfalls zuckt keiner mit der Wimper, als einer in der Runde all seine Jetons in die Mitte des Tisches schiebt und sagt: "All in - tausendvierzig." Stattdessen wird möglichst beiläufig und gelangweilt mit Jetons geklappert.

    Ein halber Black-Jack-Tisch wird von einer Großmutter, einem Großvater und ihrem Enkel in Beschlag genommen. Regelmäßig berät sich die Großmutter mit ihrem Mann, ob sie noch eine weitere Karte wagen soll oder lieber nicht. Der junge Croupier macht seine Sache gut. Schnell und flach verteilt er die Karten. Seine Hände sind fast zierlich, geradezu dafür gemacht, dass man ihm auf die Finger schaut.

    Beim Roulette ist das Publikum durchmischter. Da ist zum Beispiel der Milchbubi in schwarzem Anzug und Knutschfleck am Hals. Da ist die Dame mit Perlenkette über dem Rollkragenpulli, passenden Ohrringen und perfekt sitzendem Pagenschnitt, der hektisch Kaugummi kauende Asiate, der auf einem Tisch seine Plättchen sät und dann zum Nachbartisch eilt. Und da ist der Mann Mitte Fünfzig, der seiner blonden Begleitung in High Heels weltmännisch die Regeln erklärt und ein paar Jetons zusteckt.

    Die Casinokultur ist anders geworden: Sie musste anders werden. Das Ende des goldenen Zeitalters in Travemünde wurde Mitte der 70er Jahre eingeläutet. Zu dieser Zeit waren noch rund 200 Croupiers in Travemünde eingestellt. Ein neues Spielbankengesetz machte dem Beinahe-Monopol ein Ende. Innerhalb weniger Jahre öffneten viele Casinos ihre Pforten, auch in den Großstädten Berlin, Hamburg, Hannover. Mit der wachsenden Konkurrenz ging in Travemünde der Umsatz stark zurück und die Croupiers verteilten sich auf die 'Grünen Tische' in den neuen Spielbanken - heute gibt es über 50 in ganz Deutschland. Ende der 70er Jahre wurde in Travemünde das bisher verpönte Automatenspiel eingeführt, um den Umsatz zu steigern. Die klassischen Hasardeure interessierten sich zwar nicht für die amerikanische Art des Glücksspiels, doch die neuen Slotmachines zogen neue Bevölkerungsgruppen ins Casino. Da auch das Spielverbot für Einheimische aufgehoben wurde, gingen die Einnahmen wieder in die Höhe.

    1995 verabschiedete der Landtag in Schleswig-Holstein ein neues Spielbankengesetz, und nachdem der Vertrag mit der Neuen Casino GmbH abgelaufen war, ging der Betrieb in die Verantwortlichkeit der Spielbank SH GmbH, einer Tochter der Landesbank über. Das Restaurant wurde geschlossen, ebenso der Große Saal für das Spiel. Ein Casinobesuch heute ist nicht mehr so elitär wie früher - und das ist auch so gewollt. Man möchte die bunte Mischung und versucht sie mit kleinem Eintritt, niedrigen Mindesteinsätzen und normalen Getränkepreisen ins Haus zu holen. Casinobesucher müssen keineswegs selber spielen, sie können auch nur zuschauen. Und wer doch sein Glück versuchen möchte, dem erklärt ein freier Croupier gerne die Regeln von Roulette oder Black Jack.

    Während des Spiels kann man sich in der Casinobar erfrischen. Durch die Jugendstilsprossenfenster sieht man auf die Konzertmuschel in der früher die Musik für die Tanztees gespielt wurde, dahinter die Strandkörbe, dahinter das Meer. Und wenn man die 90er-Jahre-Einrichtung und elektronischen Anzeigetafeln ausblendet, kann man sich zusammen mit seiner Melonenbowle in die Belle Epoque des Glücksspiels hineinträumen. Doch auch damit wird es bald vorbei sein. Die Tage des Casinos im Konversationshaus sind gezählt, der Mietvertrag mit der Columbia Hotelgruppe läuft Ende September 2012 aus. Ob das Casino überhaupt in Travemünde bleibt oder nach Lübeck zieht, ist noch nicht sicher. Bei der nächsten aktualisierten Auflage wird die Institution Travemündes dann wohl auch von der Landkarte verschwinden.

    (merian.de)
  4. #4
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    Standard Zieht das Travemünder Casino ins Mövenpick um?

    Bürgerschaft müsste das Glücksspiel in dem Hotel nahe des Holstentors erlauben.

    Lübeck - Die Karten auf der Wallhalbinsel werden neu gemischt: Das Radisson Blu Senator Hotel kauft das benachbarte Mövenpick für einen Millionen-Betrag. Ab 1. Januar 2012 gehört es zur Senator Hotel GmbH & Co.KG, einer 100-prozentigen Tochter der Reederei Oldendorff, und wird unter neuem Namen weiter geführt. „Wir sind an einer langfristigen Investition interessiert“, macht Hotel-Chef Rik Brust deutlich, der dann beide Häuser mit insgesamt 400 Betten und mehr als 200 Mitarbeitern leiten wird. Er sieht die beiden Hotels in Zusammenhang mit der nahe gelegenen Musik- und Kongresshalle.

    Doch Brust will das neue Drei- bis Vier-Sterne-Hotel nicht nur im Kongress-Bereich positionieren, sondern kann sich auch den Einzug des Casinos Travemünde vorstellen. Brust macht aber klar, dass er es weder kaufen oder betreiben will. Doch das Mövenpick-Haus bietet zwei große Tagungsräume, einen davon mit Blick auf den Stadtgraben. Dort könnte das Casino seinen neuen Standort eröffnen.

    Dieses Vorhaben stößt bei Matthias Hein, Geschäftsführer der Spielbanken Schleswig-Holstein, auf offene Ohren. Seit anderthalb Jahren gibt es Pläne für einen Umzug des Glücksspiels nach Lübeck. Langsam drängt auch die Zeit, denn Ende September 2012 läuft der Mietvertrag des Casinos im Columbia Hotel in Travemünde aus. Dort belegt es 1400 Quadratmeter, in der neuen Unterkunft wären es knapp 1000 Quadratmeter.

    Sowohl mit den Automaten als auch mit den Tischspielen wie Roulette, Poker oder Black Jack würde Hein ins Mövenpick ziehen wollen. "Aber wir wollen ein neues Konzept auf die Beine stellen und uns mehr mit dem Hotel verzahnen", sagt Hein. "Wir müssen auch auf die Unterhaltungsschiene und Tanz setzen", wird Betriebsratschef Horst Jaguttis konkreter. Er vertritt die 60 Mitarbeiter, die nach seiner Aussage, einen Umzug befürworten. "Er ist alternativlos." Denn seit Mitte der 90er Jahre habe in Travemünde ein „langsames Siechtum“ des Casinos begonnen, so Jaguttis. Er kritisiert die fehlende Busanbindung am späten Abend. "Jahrzehntelang hat der Ort gut von uns gelebt, jetzt bekommen wir das nicht zurück." Aber er verspricht: "Wir werden unseren Gästen in Travemünde weiterhin einen guten Service bieten."

    Erst vor ein paar Tagen hat die Landsregierung den Weg freigemacht für die Privatisierung der Casinos. Ein Umzug des Travemünder Spielhalle stünde dem nicht im Weg, so ein Sprecher des Finanzministeriums. Wenn das Casino nach Lübeck kommt, muss die Stadt ihren Bebauungsplan auf der Wallhalbinsel ändern, damit in dem Hotel nahe des Holstentors das Glücksspiel erlaubt ist. Im schnellsten Fall dauert das ein halbes Jahr. Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) unterstützt das Vorhaben, denn die Hansestadt sei mit Travemünde mehr als hundert Jahre Glücksspiel-Standort. Saxe: "Aber die Bürgerschaft entscheidet."

    (ln-online.de)
  5. #5
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    Standard Konkurrenz raubt Casino Travemünde die Gäste

    Lübeck - Die Landesregierung will die Spielbanken privatisieren. Eindrücke aus dem traditionsreichen Casino Travemünde.

    Der Saal für das "Große Spiel" hat seit einer halben Stunde geöffnet, als der erste Gast sich an der Kasse mit Jetons eindeckt. Der Mann fortgeschrittenen Alters – graues Jackett, schwarzer Rollkragenpulli – ist für die Casino-Angestellten in Travemünde kein Unbekannter. Ein Stammgast. Er bleibt am Roulettetisch vorerst allein. Es scheint ihn nicht zu stören. "14-2-2", annonciert er monoton und schiebt dem Croupier fünf Stücke zu zwei Euro hinüber. Für den Angestellten ist dieser "Code" nichts Unbekanntes. Er bedeutet, dass je ein Jeton auf die 14 und ihre beiden Nachbarzahlen rechts und links im Kessel gesetzt werden sollen. Also die 9, 1, 14, 20 und 31. Die weiße Kugel nimmt ihren Lauf. "20 schwarz", sagt der Croupier. Der Spieler hat vier Stücke verloren, aber auf die Zahl 20 bekommt er das 35-fache. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln huscht über das Gesicht des Stammspielers.

    Travemünde gehört zu den ältesten Spielbanken Deutschlands. Bereits 1825 rollte hier die Kugel. Der russische Dichter Fjodor Dostojewski zählt zu den prominenten frühen Gästen. Die Jugendstilvilla, in der bis heute gespielt wird, wurde 1914 errichtet, vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Spielbetrieb aufgenommen. Travemünde hatte sich bei der Konzessionierung gegen Bad Segeberg durchgesetzt. Wieder strömte Prominenz an die Travemünder Spieltische. Der griechische Reeder Aristoteles Onassis soll an der Ostsee versucht haben, seinen Reichtum zu mehren. Auch die Schauspieler Sophia Loren und Kirk Douglas ließen sich von der Atmosphäre an der Kaiserallee verzaubern. In jeder Nacht wurden zehntausende Mark umgesetzt.

    Heute ist nichts mehr, wie es einmal war. Die Legende vom Casino Travemünde bröckelt. Die Besucherzahlen sind seit Jahren rückläufig. Die Landesregierung will dieser Krise mit der Privatisierung der fünf staatlichen Spielbanken in Schleswig-Holstein begegnen.

    In Wirklichkeit ist das nichts Neues. Bis 1997 waren die beiden bis dahin einzigen Spielbanken im Land, Travemünde und Westerland, von privaten Gesellschaftern betrieben worden. Damals entschied die SPD-geführte Landesregierung, die 15-jährigen Konzessionen nicht zu verlängern. Die Sozialdemokraten versprachen sich eine "größere Zuverlässigkeit" durch ein staatlich kontrolliertes Glücksspiel. Die Leitung der neuen Spielbanken GmbH übernahm Matthias Hein, ein Ex-Bankdirektor.

    Er erinnert sich: "Bis zu unserer Übernahme war die Spielbank Travemünde für die damaligen Gesellschafter hoch defizitär." In den ersten Jahren unter staatlicher Regie habe sich die Spielbank wieder zu einem hochprofitablen Unternehmen entwickelt. Doch nach dem Hoch folgte im neuen Jahrtausend der Einbruch.

    Für die Travemünder Casino-Leiterin Jessica Barke (41) ist die neu erwachsene Konkurrenz Schuld. "Unsere Gäste wandern in Spielhallen ab, die sich explosionsartig vermehrt haben." Außerdem suchten immer mehr Menschen das Glückspiel im Internet. Das traditionelle Casino versucht dagegenzuhalten. Der Eintritt kostet nur noch zwei Euro. Das kleine Bier an der Bar gibt’s für 2,60 Euro. Die Kleiderordnung wurde gelockert. Mann muss keine Krawatte mehr tragen. Sogar Jeans gehen. "Heute ist Casino etwas für jedermann", sagt Barke. Und dann trauert sie noch dem fehlenden Umfeld nach. "Wir sind die einzigen, die nachts noch Unterhaltung in Travemünde anbieten." Das sei mal ganz anders gewesen.

    Der Stammspieler musste inzwischen zweimal in Folge die 15 verkraften. Und dann auch noch "Zero". Das gewonnene Häufchen an Jetons schmilzt. Barke aber verrät: "Der Herr geht meistens mit einem kleinen Gewinn nach Hause." Er wisse, wann man aufhören muss.

    Das wissen die "Highroller" nicht. So heißen die Profis, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen, und es an einem Abend richtig krachen lassen. "Da wird noch richtig gezockt", freut sich Barke. Aber diese Spezies erscheint selten. "Das Gros unserer Stammgäste spielt überschaubar und bedacht."

    Vier Damen schlendern über den dicken roten Teppich, jede ums Handgelenk ein Täschchen. Irgendwo muss der Gewinn ja hin. Eine aus dem Quartett erkundigt sich zu allererst, wo sie rauchen darf. Roulette kostet schließlich Nerven.

    Der Saal hat sich gefüllt, als der Herr mit dem Golf-Cap und der Begleiterin mit dem nach innen getragenen Pelz eintreffen. Die Limousinen auf dem Parkplatz vor dem Casino werden dicker. Je später der Abend, desto nobler die Gäste.

    (ln-online.de)
  6. #6
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    Standard Das große Finale!

    Die Spielbank wird in diesem Jahr am 31. Dezember 2011 zum wahrscheinlich letzten Mal im Casino Travemünde Silvester feiern. Es ist kein Geheimnis mehr: die renommierte Travemünder Spielbank trägt sich mit dem Gedanken, im Laufe des Jahres 2012 nach Lübeck umzuziehen.

    Aus diesem Anlass hat das Casino daher ein besonderes Silvester-Programm zusammengestellt: Nach einem Champagner-Empfang wartet auf die Gäste ein exquisites Buffet, das außerhalb des Spielsaales von 20 bis 23 Uhr mit vielen Leckereien bereit steht. Im Pokerbereich gibt es eigens für diese Nacht eine Tanzfläche, auf der ein DJ bis in den frühen Morgen zum ausgelassenen Schwofen einlädt. Je ein Roulette- und ein Black Jack Tisch stehen für kostenloses Spiel zur Verfügung. So können Besucher schon einmal risikofrei ihr Glück erproben, bevor sie mit dem Spielkapital von zehn Euro in Jetons, das im Eintrittspreis enthalten ist, ein echtes Spielchen wagen. Und vielleicht passt ja der "Schlüssel zum Glück", den jeder Besucher erhält, in den Tresor, der an diesem Abend Jeton-Gewinne von insgesamt 600 Euro preisgibt.

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    Das Casino lädt zur vermutlich letzten Silvesterparty im Gebäude an der Strandpromenade ein

    Um Mitternacht wird die Panorama-Bar zum Logenplatz: Bei großartiger Sicht auf das beeindruckende Feuerwerk über der Travemündung wird mit Champagner für alle stilvoll auf das Neue Jahr angestoßen.

    Der Eintrittspreis für diesen umfangreichen Galaabend beträgt 97 Euro pro Person. Da dies die letzte Gelegenheit sein wird, noch einmal im Jugendstil-Casino direkt an der Ostsee Silvester zu feiern, wird mit einem großen Run auf die limitierten Karten gerechnet. Karten und Infos unter Tel. 04502/8410.

    (hl-live.de)
  7. #7
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    Standard Spielbanken im Norden können privatisiert werden

    Kiel - Die fünf Spielbanken in Schleswig-Holstein können nach den Plänen der schwarz-gelben Landesregierung privatisiert werden. Die Casinos sollen nach Angaben des Innenministeriums vom Dienstag außerdem Roulette, Baccara und Black Jack aus dem Spielsaal direkt ins Internet übertragen dürfen. Den entsprechenden Entwurf eines neuen Spielbankgesetzes beschloss die Landesregierung am Dienstag in Kiel. Er soll Ende Januar erstmals im Landtag beraten werden.

    Die geplante künftige Rechtslage gebe dem Finanzminister die Möglichkeit, den Verkauf der Spielbanken an ein oder mehrere private Unternehmen vorzubereiten, hieß es weiter. Trotz Privatisierung dürfe es auch weiterhin nicht mehr als fünf Spielbanken im Land geben. Die einzelnen Standorte - bisher sind das Flensburg, Kiel, Schenefeld, Travemünde und Westerland - legt das Innenministerium in einer Verordnung fest.

    Spielbankbetreiber müssen Auflagen erfüllen, wenn sie eine Konzession bekommen wollen. Dazu gehören Regeln des Jugend- und Spielerschutzes, der Suchtprävention, der persönlichen Zuverlässigkeit und der Sicherstellung eines ordnungsgemäßen und wirtschaftlichen Betriebs der Spielbanken. «Nur geeignete Unternehmen dürfen die Kugel rollen lassen», betonte Innenminister Klaus Schlie (CDU). Nach bisherigem Recht dürfen Spielbanken nur von Gesellschaften des privaten Rechts betrieben werden, deren Anteile völlig oder überwiegend vom Land oder einer im Land ansässigen Anstalt des öffentlichen Rechts gehalten werden.

    (welt.de)
  8. #8
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    Standard Casino kann privatisiert werden

    Die fünf Spielbanken in Schleswig-Holstein können privatisiert werden. Die Spielcasinos dürfen außerdem Roulette, Baccara und Black Jack (Casinospiele mit Bankhalter) aus dem Spielsaal direkt ins Internet übertragen. Das sind die zentralen Bestimmungen des neuen Spielbankgesetzes, dessen Entwurf die Landesregierung beschloss und der Ende Januar im Landtag erstmals beraten werden soll.

    Die künftige Rechtslage gibt dem Finanzminister die Möglichkeit, den Verkauf der Spielbanken an ein oder mehrere private Unternehmen vorzubereiten. Trotz Privatisierung darf es auch weiterhin nicht mehr als fünf Spielbanken in Schleswig-Holstein geben. Die einzelnen Standorte legt das Innenministerium in einer Verordnung fest.

    Spielbankbetreiber erhalten nur dann eine Konzession, wenn sie eine Reihe von Auflagen erfüllen. Dazu gehören insbesondere Regeln des Jugend- und Spielerschutzes, der Suchprävention, der persönlichen Zuverlässigkeit und der Sicherstellung des ordnungsgemäßen und wirtschaftlichen Betriebs der Spielbanken. Wie Innenminister Klaus Schlie sagte, gewährleistet das neue Spielbankgesetz ein transparentes und diskriminierungsfreies Erlaubnisverfahren. "Nur geeignete Unternehmen dürfen die Kugel rollen lassen", sagte der Minister.

    Nach geltendem Recht dürfen Spielbanken nur von Gesellschaften des privaten Rechts betrieben werden, deren Anteile völlig oder überwiegend vom Land Schleswig-Holstein oder einer im Land ansässigen Anstalt des öffentlichen Rechts gehalten werden. Das Land ist über die Gesellschaft zur Verwaltung und Finanzierung von Beteiligungen des Landes Schleswig-Holstein (GVB) alleiniger Anteilseigner an der Spielbank Schleswig-Holstein GmbH.

    (hl-live.de)
  9. #9
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    Standard Abschied vom Seebad: Das Casino zieht nach Lübeck

    Lübeck - Aus, vorbei: Nach fast zwei Jahrhunderten wird es Ende des Jahres keine Spielbank mehr in Travemünde geben. Der Vertrag mit dem Columbia Hotel läuft im September aus.

    „Rien ne va plus“ – nichts geht mehr. Diesen Ausspruch des Croupiers wird man in Travemünde bald nicht mehr hören. Denn die Zeit des Casinos im Seebad ist abgelaufen: Der Vertrag mit dem Columbia Hotel endet am 30. September, die Spielbank muss seine 1100 Quadratmeter in der Fünf-Sterne-Nobelherberge räumen. Bis Ende des Jahres wird die Spielbank Travemünde verlassen. In der Nähe des Holstentors in Lübeck wird sich die Roulette-Kugel dann erneut drehen. In der kommenden Woche soll der Vertag zwischen dem Park Inn Hotel und dem Casino unterzeichnet werden.

    Mit dem Umzug in die Innenstadt endet in Travemünde eine lange Tradition. „Das ist im Grunde eine schreckliche Nachricht“, trauert CDU-Fraktionsvize Klaus Petersen. „Es ist absolut bedauerlich, dass das Casino seine Türen schließt“, stimmt Christian Gomlich zu, Chef der Wirtschaftsgemeinschaft. Das Glücksspiel habe eine „positive Strahlwirkung“ für das Seebad, viele Unternehmen seien mit dem Casino erst groß geworden. Wolfgang Hovestädt (SPD) ist anderer Meinung: „Das ist kein großer Verlust.“ Die Glücksspieler würden nicht im Ort bleiben. „Die Zeiten ändern sich“, meint Thomas Misch (BfL). Trotzdem: „Für Travemünde ist es schade.“ Denn schon im 19. Jahrhundert wurde im Seebad dem Glücksspiel gefrönt. Am 3. Juni 1949 eröffnete dann das Casino. Damals gehörte Travemünde zu den drei Orten in Deutschland, in dem Roulette-Spiele und Black Jack geboten wurde. Das änderte sich in den 70er Jahren – und nach und nach verblasste der mondäne Charme.

    „Das Verhalten der Besucher hat sich dramatisch verändert“, sagt Matthias Hein, Chef der Spielbanken GmbH Schleswig-Holstein. Kamen vor 15 Jahren an guten Tagen 350 Gäste an die Spiel-Tische, sind es jetzt nur noch 150. „Man geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, gibt die Chefin des Casinos, Jessica Barke, zu. Zwar seien das Haus und die Lage am Meer in Travemünde unvergleichlich, aber „in Lübeck sind die Straßen abends wesentlich belebter als in Travemünde.“ Alle 55 Mitarbeiter werden mit an den neuen Standort wechseln. Im Park Inn Hotel soll das Glücksspiel auf 1000 Quadratmeter im Untergeschoss einziehen – dort wo derzeit noch Bankettsäle sind. „Wir sind uns einig“, freut sich Chef Rik Brust über den neuen Mieter. Aktuell wird der Bebauungsplan geändert, damit an dem neuen Standort auch die Roulette-Kugel rollen darf. Der Bauausschuss hat das formale Verfahren vor einer Woche ohne Diskussion angeschoben. Bis es abgeschlossen ist, wird es etwa ein halbes Jahr dauern. Dann will Hein in der Hansestadt mit einem neuen Konzept an den Start gehen. „Das wird ein Highlight für Lübeck“, ist sich der Spielbanken-Chef des Landes sicher. Denn es soll nicht allein Glücksspiel angeboten werden, sondern Hein will aus dem Casino Lübeck eine „Entertainment-Stätte“ machen – mit Poker-Turnieren, Varieté und Kunst-Bühne. Ansprechen soll das Angebot ein gehobenes Publikum, das eine gepflegte Atmosphäre sucht. Hein: „Man soll wissen: Hier ist abends zu später Stunde noch etwas los.“

    Und in Travemünde? Das Luxus-Hotel Columbia nimmt einen Millionenbetrag in die Hand und baut die drei Etagen des Casino-Flügels komplett um. Dort will Chef Ralph Hosbein vor allem große Suiten mit Meerblick unterbringen – und die Anzahl der Zimmer von 72 um sechs bis acht steigern. Außerdem soll der Eingangsbereich vor dem Hotel an der Kaiserallee attraktiver gestaltet werden. Frühestens im nächsten Sommer ist alles fertig. Hosbein: „Für die Erweiterung des Hotels sind die frei werdenden Flächen sehr wichtig.“

    (ln-online.de)

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