Ob Geld glücklich macht, ist ein alter Streit. Doch der Traum vom Glück ist vornehmlich ein Traum vom Geld. Mehr als zweieinhalb Milliarden Euro Umsatz erzielen die Österreichischen Lotterien jährlich mit dem Glücksgeschäft: Von win2day über 6 aus 45 bis zu EuroMillionen und Rubbellos. So richtig begann diese Art von Suche nach dem Glück im 18. Jahrhundert, dem ersten Höhepunkt des Glückspiels.
Von der Spielleidenschaft dieses Jahrhunderts weiß die Geschichtsforschung viel. Maria Theresia war Spielerin. Auch Marie Antoinette war dem Glückspiel zugetan. Von Mozart wird vermutet, dass er maßgebliche Teile seiner beträchtlichen Einnahmen beim Spiel verlor. Casanova war mehr Spiel- als Frauenheld. Am Hof Maria Theresias war das Glücksspiel fest etabliert. Wenn die Herrscherin einmal nicht spielte, wurde dies im Hoftratsch besonders registriert. Es wurde um extrem hohe Summen gespielt. Indem man horrende Summen aufs Spiel setzte, konnte man in nobler Grandezza die Menge an Geld andeuten, über die man voller Gelassenheit frei zu disponieren vermochte.
Drei Kriterien waren es, die den Zugang in die höchsten Kreise der höfischen Gesellschaft öffneten: alter Adel, gutes Vermögen und Mut zum Risiko. Um auch die kleinen Leute an dieser Spielsucht der Oberschichten teilhaben und gleichzeitig dem Staat damit zu einer Einnahmenquelle zu verhelfen, wurde das Zahlenlotto erfunden. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte es seine erste Blüte. 1751 wurde es in Österreich als Staatsmonopol institutionalisiert. Während das Hazardspiel ein Privileg der Reichen und Vornehmen war, hatten mit dem Lotto auch die Ärmeren ihren Traum vom Glück. Mit Traumbüchern, die die Zahlenkombination erraten helfen sollten, wurde müheloser Erfolg vorgegaukelt. Österreich gehört seit dem 18. Jahrhundert zu den Ländern, in denen der Anteil der Glücksspieler verhältnismäßig hoch ist. Rund 70 Prozent der Österreicher spielen bei Lotto, Toto, Brief- oder Klassenlotterie.
Die Glücksspielgesellschaften verzeichnen Umsatz- und Einnahmenrekorde. Der Spielbetrieb ist Teil einer differenzierten Vergnügungsindustrie geworden, die vom einfachen Brieflos bis zum noch einfacheren Internetclick jenen prickelnden Traum nährt, rasch einen Zipfel von der Fülle des Reichtums erhaschen zu können, der in unserer Zeit so groß und allgemein geworden ist wie nie zuvor in unserer Geschichte, und dennoch für die meisten so unerreichbar geblieben ist wie eh und je.
(nachrichten.at)

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